Do
09
Okt
2008
ankommen
gestern haben wir am saftladen einen russen kennen gelernt, der uns mit einem freundlichen "chello, chello, how are you, my friends" empfing, uns saft ausgab und auf die gegenfrage, wie es ihm denn gehe, antwortete: "nice! good weather, no bombs today!" und sich schlapp lachte. er sah aus wie der russische zwilling vom dude oder wenigstens wie irgendeinem cohen-brothers-film entsprungen, mit seiner 70er-jahre-pornobrille und den tausenden nasenhaaren, aber er ist der leiter des beiruter symphonie-orchesters. und er hat uns zu einem konzert eingeladen. morgen abend in der kirche. (überhaupt überraschend: 50% christen hier in beirut)
und so ging der tag weiter. wir haben plötzlich hineingefunden in die stadt, so scheint es. was mir vorgestern noch alles verschlossen und fremd und unwirtlich erschien, über das kann ich heute lachen. ist ja nicht so, dass ich zum ersten mal im ausland bin - umso mehr überrascht es mich, dass ich nicht gelassener gestartet bin in diese tage... hätte ich doch wissen können, dass ich immer ein paar tage brauche, um mich zurecht zu finden, dass ich immer erstmal wie wild um mich greifen muss, mich dann zurückziehen und be(!)greifen muss, was und wie und warum - und dann plötzlich sitze ich auf einem plastikstuhl in der sonne, trinke mokka, huste vom abgas der klapprigen wagen, die nur fünf zentimeter hinter fuhsti über die straße rattern und freue mich, dass ich plötzlich gelassen bin.
wir haben pläne, das ist wichtig und das hat am anfang natürlich gefehlt. wir haben verabredungen, werden eingeladen. gestern haben wir einen haufen leute kennen gelernt, die uns jetzt teile der stadt zeigen werden, die uns mitnehmen, die erklären können, die besten orte kennen, tipps geben können. und am wochenende werden wir einen kleinen wagen mieten und in die berge fahren. die hisbollah sei eigentlich ganz nett, sagen hier alle. und wo ihr nicht weiter dürft, sagen sie euch dann auch, keine sorge. na denn!
heute morgen saß einer im hostel, der grad aus tripoli kam, wo man eher nicht hinfahren sollte im moment - zumindest hat das auswärtige amt ne reisewarnung rausgegeben -, aber er meinte: "dangerous? the whole country is dangerous! you shouldn`t be here if you`re afraid!" da hat er vielleicht recht.
angst habe ich nicht. aber ich war etwas enttäuscht am anfang. weil ich mich einfach nicht zurecht gefunden habe, weil ich gar nicht wusste, wohin mit mir. vielleicht ist es ja aber auch gut, erstmal enttäuscht zu sein, jetzt kann ich mich auf alles freuen.
wir wohnen jetzt bei freund fuhsti, schweren herzens haben wir uns heute morgen vom problem, problem-opa verabschiedet, der zum frühstück araq trinkt und abends schnarchend in der lobby liegt, den schlüssel für den getränkeschrank unter dem kissen.
ich mache ja urlaub, das muss ich mir auch immer wieder sagen: ich merke jeden tag mindestens fünf mal, wie ich über kleine dokumentarfilme nachdenke... über den pförtner des instituts, über die müllmänner auf den straßen, über die kleine autoreifenwerkstatt oder den aufpolsterer oder den hommos-mann, bei dem wir jeden mittag um drei frühstücken oder über die taxifahrer, die katzen, die winzigen bürgersteige. nein! man kann das alles ja eigentlich auch einfach mal sehen und wirken lassen. oder? fällt mir echt schwer. irgendwie muss ich mir das alles, alle eindrücke immer erschließen, indem ich sie bearbeite oder wenigstens nachfrage. in diesem fall also vielleicht gut, dass ich nur drei worte arabisch kann. (oder was, was sich so anhört, dass die beiruter ungefähr ahnen, was ich wohl meine)


