Hallo, mir hat Deine Webseite sehr gefallen, auf die ich heute durch Zufall gekommen bin. Du hast Dir sehr viel Mühe gegeben! Freue mich natürlich immer auch auf einen Gegenbesuch bei mir. Auf meinen
Reiseseiten berichte ich u.a. über meine wunderschönen Reisen nach Australien, Neuseeland, Thailand und in die USA, über meine interessanten Arbeitserfahrungen in England und Irland sowie über meine
albtraumhaften Erfahrungen in einem Krankenhaus in Graz. Weiterhin viel Erfolg mit Deiner Seite wünscht Dir Michael!
http://www.michaels-reisetagebuch.de
ich war am 06.02. bei der lesung von finn und andreas stichmann in hildesheim...sie hat mir gut gefallen, war abwechslungsreich durch die kurzfilme und den "gastleser" (hab den namen vergessen, kann
mir namen schlecht merken...)die geschichte von dem heimjungen war bemerkenswert, hat sie mir doch mal wieder gezeigt, dass das was man selbst bekommt meist unüberlegt an andere weiter gibt. aber am
aller schönsten, war die geschichte vom "gras wiegen" von andreas, ich hätte noch stundenlang zuhören können...insgesamt alles viiiiieeel zu kurz :-)
und wo seit ihr alle? keiner mehr lust zu schreiben? find ich schade :-(
ja, die sehnsucht war es, die mich an den haaren aus dem sumpf meiner alten heimat heraus gezogen hat und mich auf einen gipfel setzte...von dort oben konnte ich in alle richtungen blicken und suchte
mir dann eine neue heimat aus...eine zu mir passende heimat
#135
uwe(Montag, 12 Januar 2009 19:14)
Finde ich sehr gut - diesen Perspektivwechsel im Bezug auf Hängen. Es gibt jedoch diesen Unterschied zwischen aktiv und passiv. Im Bezug auf Heimat ist das eben selten ein aktiver Akt, sich hin zu
hängen. Zunächst einmal ist man irgendwo hingehängt worden. Man hat die Wahl nicht.
Ich hatte die Chance in einer bestimmten Lebenssituation, mich bewußt meiner Heimat zuzuwenden - hat nicht jeder. Und ich versuche, daß so aufmerksam wie möglich zu beobachten.
Ich muß an meinen jüngeren Sohn denken, der für mich der Inbegriff eines Landeis ist. Der ist in einer ungeheuren Intensität mit dem Landleben, der Natur die ersten Jahre seines Lebens aufgewachsen.
Der kam jeden Baum hoch, kein Weg war zu weit, kein Loch zu tief, der hatte einen ganz eigenen Zugang zur Welt. Ich habe ihn bewundert. Jeder Tag war in den ersten Jahren Auseinandersetzung mit dem
Leben um ihn herum. Er ist ungeheuer stark geworden, obwohl er der schwächlichste meiner Kinder war. Er kann sich kaum oder gar nicht an diese Zeit erinnern. Ich finde das richtig traurig. Aber all
das steckt in ihm, und ich spüre, daß er diese Verbindung - dieses spezielle aufgehängt Sein instinktiv sucht - immer noch da ist. Wir alle haben ihn bewundert für den Zugang zur Natur, den der
Kleine sich in seiner kleinen Welt angeeignet hatte, Finn, Du erinnerst Dich! Heißt, er hat eine Heimat, die er wahrscheinlich gar nicht definieren kann, weil er sich zum Großteil nicht erinnert.
Aber er hat eine Sehnsucht, die ihn antreibt und prägt, und der er irgendwie in seinem Leben genügen muß.
Heimat ist oft der Ursprung von Sehnsucht!
#134
Beate(Sonntag, 11 Januar 2009 14:03)
Noch ein Kommentar zum 100. Eintrag, dieses mal von Finns Mutter Beate:
„Heimat ist da, wo man sich aufhängt“ – komisch, dass jeder (auch ich zunächst) dabei nur an die Version der Selbsttötung denkt. Manchmal denke ich, kluge, provokante Autoren, Maler…. sagen kluge
Sätze, malen Bilder von großer Bedeutung, ohne im Moment der „Schöpfung“ selbst den großen Wurf zu bemerken. Der Umgang der Leser, der Bildbetrachter, ihr Zugang und ihre Interpretation schafft
(wenn’s gut geht) „Welten“, die weit über das geschriebene Wort … hinausweisen.
Finn, Du hast mir mal erzählt, dass Du es besonders magst, wenn und wie Menschen Deine Texte interpretieren, welche Gedanken sie bei ihnen auslösen und dass genau das ein Teil Deiner eigenen
Auseinandersetzung ist und wird.
Nun zu dem Bernhardt Zitat: ich finde, dieser Satz hat einen doppelten Boden. Es war mein Schwager, der Weihnachten, als wir darüber redeten, fragte: „Wie, wo aufhängen?“ -????- an der Wand, am
Haken,..?
Wenn ich diesen Satz so lese, dann hat er auch (noch)eine andere Bedeutung:
Heimat ist da, wo ich hänge, wo mein Leben beginnt, wo ich zunächst aufgehängt bin, dann auch vermutlich mich selbst aufhänge.
Es ist nicht egal, ob ich im Gaza-Streifen oder in Paris, in Oberhausen oder in Moskau
aufgehängt/geboren bin. Es macht einen Unterschied, ob meine Muttersprache russisch, norwegisch oder deutsch ist. Welche kulturelle, soziale und politische Erfahrung mit den Begriffen Liebe,
Sehnsucht, Frieden, Hass, Feind, Freiheit ….. verbunden ist, prägt (sehr fundamental) meinen emotionalen Zugang vermutlich mein Leben lang. Was ich mit dem Wort „Wasser“ verbinde hat viel mit der
Gegend zu tun, in der ich aufwachse. Kommt Wasser einfach aus der Leitung oder muss ich weit zum Wasser laufen? Gibt es Kälte in meiner Welt und muss ich mich viele Monate im Jahr warm anziehen, um
nicht zu frieren? Wird der Müll eingesammelt und auf eine Deponie gekippt oder landet er auf der Strasse und bleibt dort liegen? Werde ich, wie alle anderen in meiner Umgebung von einem König regiert
oder einem Tyrannen oder lebe ich in einer Demokratie? Hat meine Umgebung Angst davor, den Mund aufzumachen oder kann ich alles sagen (und keiner hört mir zu)? Gibt es in meiner Umgebung eher feste
Familien mit vielen Kindern oder gibt es Großfamilien und Familienverbände, die sich gegenseitig stützen oder drangsalieren …?
Alles, was mir in meinem späteren Leben begegnet und anders ist, wird von mir vor meinem Erfahrungs-/Heimathintergrund betrachtet, im Vergleich gut, besser, schlechter, auf jeden Fall aber als anders
beurteilt. Insofern gibt Heimat so verstanden, Sicherheiten und Maßstab, was nicht heißt „Übereinstimmung“, per se richtig und gut.
So verstanden habe ich auch nicht die Freiheit, mich woanders aufzuhängen, ich kann als Individuum sicherlich entscheiden: ich wandere aus, oder Eltern entscheiden, dass sie fliehen und mich
mitnehmen und je nachdem, wie alt ich bin, nehme ich das spätere „Aufgehängt-Sein“ als einzigen Ausgangs-/Startpunkt an, für eine Mehrheit(ein Volk) ist das nicht denkbar (höchstens über Generationen
oder durch Assimilation).
Dann aber, wenn ich diesen Boden begriffen habe, habe ich zu der Heimat, in der man Selbstmord begeht (und das machen Menschen besonders aus Scham, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit angesichts
politischer Verhältnisse oder Angst vor sich selbst, Denunziation…) einen anderen Zugang als den, der hier im Forum diskutiert wird.
Heimat (in der man aufgehängt ist) ist keine Wahl, sie ist mir geschenkt, als Fluch mitgegeben oder was auch immer: Sie ist in jedem Fall der Ort im umfassenden Sinne, den ich selbst auch nur zu
meinem Ausgangspunkt machen kann und in dem ich mich im ungünstigsten Fall fremd fühle, deren Verantwortung ich nicht tragen kann und will, warum auch immer.
Das Gute an dem 100.Eintrag hier in diesem Forum ist zumindest für mich, dass mir klarer geworden ist, was Heimat ist und warum ich für mich schon immer weiß, dass ich sie brauche.
heimat...da wo ich authentisch und in wahrheit lebe...keine fassade aufbaue um andere zu blenden...obwohl ich ausgelacht, für verrückt oder peinlich erklärt werde...ich trotzdem der "bauherr" meiner
heimat bleibe...
#132
dan(Mittwoch, 07 Januar 2009 17:45)
uwe, du hast vollkommen recht. ich habe bisher nicht über mein verhältnis zur heimat gesprochen.
ich bin längere zeit nicht auf der seite gewesen und als ich nun wieder einmal ins gästebuch schaute, sah ich diese diskussion über das bernhard zitat. und du hast recht, vollkommen unabhängig vom
eigentlichen thema habe ich zuerst einige aussagen gelesen, mit denen ich nicht einverstanden war. auf diese wollte ich aber antworten.
aber, ganz klar, wenn man bernhard gelesen hat, weiss man dass dieses zitat wenig sinn hat, sondern wohl eine der paradoxen, provozierend-anstrusen aussagen des malers in "frost" ist. deshalb versteh
ich auch jetzt, warum dir die diskussion über dieses zitat so zuwider war.
kann verstehen dass ich überheblich rüber kam.
zum thema heimat. na ja, da könnte man lange überlegen und seiten voll schreiben, ich sehe nur keinen sinn darin jetzt wieder einmal die hälfte von dem zu kopieren was sicherlich schon einer von euch
geschrieben hat. ich glaube das wort "heimat" hat für jeden, der es nicht bloss als das haus der kindheit sieht, von wo man herkommt, einen sehr ähnlichen kern. auf jeden fall geht sie über das
simple materielle hinaus; sie kann selbst ein lauer windzug sein, der einem durch die haare fährt...
bis dann
#131
Sara(Mittwoch, 07 Januar 2009 08:48)
Ja, ich finde auch, dass Heimat „ein wesentliches Bindeglied zum eigenen Einordnen in dieses Welt ist.“
Für mich ist es irgendwie der Hintergrund, die Basis. Ich bin heute anderswo zuhause, andere Dinge stehen im Vordergrund und doch ist die Heimat eben diese eine feste Konstante die mir überhaupt erst
erlaubt mich Neuem zuzuwenden.
#130
uwe(Dienstag, 06 Januar 2009 18:08)
Ich weiß nicht warum, aber ich habe schon am Anfang der Diskussion die Unterscheidung zwischen Heimat und Zuhause treffen wollen. Vertraute Umgebung ist auch noch so ein Begriff, der nicht unbedingt
Heimat meint. Mir sind so einige Orte vertraut und ich habe mich auch öfter zu Hause gefühlt.
Heimat ist jedoch ein Begriff, der enger an die eigene Identität gebunden ist. Wer in dieser Welt, egal wo, "beheimatet" ist, der ist ganz eng mit dem Leben und dieser Welt verbunden. Das sagt nichts
über die Qualität dieser jeweiligen Heimat aus. Das birgt auch Gefahren - völlig klar - Verklärung, auch reaktionäres Gedankengut speisen sich daraus.
In einer Heimat haben wir unsere Sozialisation mit der Welt, in die wir hineingeboren werden, erfahren.
Und ich behaupte nach wie vor, in diesem Sinne, wer eine Heimat hat, hat eine Verbindung zur Welt, resp., in der Regel weniger Ambition, sich umzubringen. Heimat ist keineswegs nur Geborgenheit - so
wie auch Kindheit nicht nur Geborgenheit ist (meistens jedenfalls). Manch einer hat eine konkrete Heimat, meinetwegen ein Dorf, ein anderer hat eine patchwork-heimat, manch einer, der diese
geografische Dimension nicht hat, sucht sich eventuell Ersatzheimat. Kurz und gut, ich möchte die enge Verknüpftheit zwischen dem Begriff Heimat und der eigenen Identität diskutieren und behaupten,
daß Heimat ein wesentliches Bindeglied zum eigenen Einordnen in diese Welt ist.
Ich kann nur in Sonjas Horn tuten, Dan, und das streift auch das Thema persönlich usw.: Du brauchst nicht so viel zu erklären, bzw. aufzuklären. Du redest nicht über Heimat, sondern darüber, was
Diskussionskultur ist, oder wo es Deiner Meinung nach Denkfehler gibt, wo Du meinst, andere kapieren was nicht usw. Du hast noch kein Wort zu Dir, bzw. Deinem Verhältnis zu dem Thema geäußert.
hm...ja, das macht sinn...hast du schön erklärt...und was ist nun für DICH heimat?
#128
dan(Sonntag, 04 Januar 2009 00:04)
über-persönlich bedeutet keinesfalls, dass du nicht auf deine Erfahrungen, sprich DEIN Leben zurückgreifen darfst. Sonst wäre eine interessante Diskussion kaum möglich und die Diskussion an sich
überflüssig.
Es geht darum, dass wenn man diskutiert die Persönlichkeit über der Diskussion steht, und nicht ausgeschlossen wird. D.h. dass wenn ich deinen Beitrag lese und darauf antworte, ich nicht glauben kann
dich zu kennen, deine Persönlichkeit. Es geht, meiner Meinung nach, darum aus den verschiedenen individuellen Ansichten, die aus den verschiedenen Lebensituationen, Erfahrungen, etc. entspringen, den
eigenen Horizont zu erweitern und den Menschen vielleicht die Gedanken nahezulegen, die einem wichtig sind. Dabei liegt der Fokus nicht darauf, dass ich mir eine Meinung über deine Persönlichkeit
bilde. Wie ich schon schrieb, es hat nichts mit dich kennen zu tun. Denn du hast geschrieben:"Du täuschst dich in mir...du kennst mich doch gar nicht...."
dann hab ich diese seite wohl falsch verstanden. denn für mich ist eine diskussion nicht überpersönlich sondern persönlich. ich schreibe aus MEINEN erfahrungen und MEINEM leben. das, was ICH als
heimat empfinde und wo ICH heimat nicht finden kann. wofür eine diskussion, wenn nicht aus meinen eigenen erfahrungen heraus? anders ist sie für mich nicht real.
#126
Dan(Samstag, 03 Januar 2009 01:11)
P.S. War das ohne Expander?
#125
Dan(Samstag, 03 Januar 2009 01:10)
Ich frage mich nur Uwe, ob Heimat denn, wenn einen das Leben ankotzt, um es bildlich auszudrücken; wenn alles grau, kahl und fremd ist sobald man aus der warmen friedlichen Heimat "heraustritt", ob
Heimat dann der einzige Grund sein kann um sich nicht umzubringen? Du meintest ja (also ich habe nicht ALLE deine Beiträge gelesen), dass wenn man eine Heimat hat, bzw. die Heimat fühlt und mit ihr
verbunden ist, man sich nicht umbringt und wenn doch war es keine "wahre" Heimat. Aber ist denn die Heimat die Maxime unseres Lebens? Und wenn ich eine Heimat habe, aber ich mein Leben nicht auf die
Reihe kriege sobald ich in die weite Welt hinaustrete, wenn ich mich dann umbringen würde, täte ich es dann nicht da, wo ich mich geborgen fühle und vertraut?
Oder denkst du die Heimat ist so all umfassend dass sie allein der Rückhalt für ein zerstörtes Leben sein kann? Oder dass mit ihr das Leben nie einen so katastrophalen Weg gehen könnte?
Das ist ja auch ein neuer wichtiger Gedanke in dieser Diskussion, dass man selbst mit Heimat das Leben nicht mehr ertragen kann. Dass Heimat nicht alles ist, wenn man den Rest der Welt nicht
erträgt.
Und wenn man sich dann tötet ist die Heimat der Ort wo man sich aufhängt, und nicht die raue verhasste "Aussenwelt".
Also "Heimat ist da wo man sich aufhängt". So ungefähr erkläre ich mir diesen Satz. Diesen Satz darf man aber nicht verallgemeinern und auf jeden Selbstmord beziehen.
Verstehst du was ich meine?
#124
uwe(Freitag, 02 Januar 2009 21:12)
Heißt naseweise Laberei jetzt expandierende Diskussion? Was ist eigentlich Deine Sicht auf Heimat, Dan, jetzt mal so ohne Expander?
#123
Dan(Freitag, 02 Januar 2009 18:58)
jette, wir verstehn uns.
sonja, ich behaupte nicht dich zu kennen, ich habe nur auf deine Einträge geanwortet, so wie sie auf mich wirkten. Eine Diskussion entwickelt sich ständig weiter und das sozusagen auf
über-persönlicher Ebene, deshalb wenn ich deine beiträge falsch verstanden habe, dann erkläre sie mir; nur von ihnen (den beiträgen) lebt dieses forum ja. das hat nichts mit "kennen" zu tun.
ach ja, schönes neues jahr finn und euch allen.
#122
Jette(Freitag, 02 Januar 2009 15:25)
dan, ich stimme dir zu! ich hatte meine äußerung auch nicht ironisch gemeint! was allerdings meine meinung ist und bleibt: es ist lächerlich in einer diskussion auf eine ebene zu zielen, die man in
diesem portal gar nicht übersehen kann. also wie kann man bitte hier jmd PERSÖNLICH angreifen oder beurteilen? gegen die meinung eines anderen zu gehen ist ok und gut und glaube mir, dass ich
niemanden dazu bringe seine meinung nicht zu äußern!
dein beitrag (116) - Top!
du täuscht dich in mir, dan, du kennst mich doch garnicht...nur von diesen paar einträgen hier... deine worte gefallen mir, es liegt viel wahrheit in ihnen und ich finde es klasse, dass sich nun doch
noch "einer" mehr traut zu schreiben.
#120
dan(Freitag, 02 Januar 2009 00:37)
und jette, jetzt wo ich schon dabei bin, die gemüter gegen mich zu erhitzen, bedeutet weihnachtliche stimmung denn, seine meinung nicht zu äussern und stillschweigend, um des friedens willen, jeder
äusserung zuzustimmen?
und wenn man sich während einer diskussion erregt dann zeigt das ja wie nahe einem dieses thema und das gesagte geht. das muss man in einer diskussion auch akzeptieren können. ich finde die leute
eher peinlich die keine meinung haben oder die, welche menschen dazu bringen es nicht zu wagen ihre meinung zu äussern.
#119
Dan(Freitag, 02 Januar 2009 00:30)
Und Uwe, eine diskussion wird ja auch dadurch interessant, dass sie expandiert. was nützt es eine diskussion zu führen in der man ständig um die glecihen eng gestrickten aspekte kreist.
durch dieses zitat,hat finn ja einen, für manche vielleicht erschreckenden, aber äusserst wichtigen beitrag zur diskussion geleistet.
uwe, beim thema heimat geht es ja nicht bloss um den friedlichen, wohligen aspekt um den die diskussion sich jetzt schon wochenlang drehte und dadurch fast einschlief. das thema heimat beinhaltet
auch, die kühle heimat, die heimat die einen zum selbstmord treibt, oder die einem zum leben nicht grund genug ist und die zwar die letzte zuflucht zum leben ist, aber auch vielleicht zum tod.
und ich fände es sehr schade, wenn man diskutieren will, aber nur das für einen selbst schöne und positive hören will, sonja. literatur IST auch provokation. der das nicht wahrhaben will und sich
davor verschliesst wird sein lebenlang immer bloss an der oberfläche der dinge kratzen.
#118
Dan(Freitag, 02 Januar 2009 00:18)
Wer Angst vor Provokation hat, hat Angst vor dem Leben.
danke uwe, jetzt kann ich dich verstehn. und doch bekomm ich einen bitteren geschmack bei provokation und irreführung. es liegt daran, dass ich nur leid durch sie erfahren habe. meine eltern hatten
ne kneipe von 1966-1973 und ich stand als kind immer zwischen der eistruhe und dem kachelofen, so hatte ich nen guten überblick und wurde meistens nicht gesehn. wenn die menschen kamen waren sie noch
gesellig, doch hatten sie genug alkohol, fingen sie an zu provozieren und es endete fast immer in gewalt...und dabei sehe ich heute israel. für mich ist heimat unbedingt ein miteinander und ein
klarstellen. jetzt kriegt finn wieder ne krise, bei meinen worten, weil er nach dingen sucht. doch dinge sind ALLE vergänglich und deshalb können sie niemals heimat sein...
#116
uwe(Mittwoch, 31 Dezember 2008 17:08)
Hätte mich wohl präziser ausdrücken müssen. Meine Intention war, darauf hinzuweisen, daß es dieser "Provokation" zum hundertsten nicht bedurft hätte. Dies beweist mir nun gerade die letzte Äußerung.
Menschen suizidieren sich zu 90% im Nahbereich des sozial/räumlichen Gefüges! Bis von wenigen Ausnahmen mal abgesehen - wo denn sonst, bitteschön!? Was ist das für eine erhellende Erkenntnis?
Nur, was hat das mit der Diskussion von Heimat zu tun? Das ist es, was ich meine. Ich finde Provokationen in der Kunst notwendig - jawohl. Man sollte sie nur da setzen, wo es Sinn macht. Finn, das
Zitat da zu setzen - ich bleibe dabei, war eine Heischerei für das Ankurbeln einer lahm gewordenen Diskussion (Umschreibung von dem, was ich Schwachsinn genannt habe). Es führt vom Thema weg und
jetzt geht es darum, wer recht hat bezüglich ganz anderer Inhalte.
Ich bin nun nicht gerade ein Totengräber, aber auch nicht so weit weg vom Thema. Menschen, die so verzweifelt sind, daß sie sich umbringen (wollen), haben meistens den Bezug zu dem "Kraftfeld" Heimat
verloren - und ich wiederhole: Natürlich gibt es auch die, die sich gerade die Heimat aussuchen dafür, aber eher weniger. Beide Gruppen bringen sich selbstverständlich im sozial/räumlichen Nahfeld
um. Wenn man sich endlich entschlossen hat, es zu tun, fehlt die Energie nochmal extra für die Tat in die Normandie zu fahren, weil man alles, was man an Kraft mobilisieren kann, für den Suizid
selber braucht.
So, ich bin dafür diesen Exkurs zu beenden. Er führt zu nichts.
#115
Max(Montag, 29 Dezember 2008 17:53)
Als "gelernter Todesermittler" stelle ich fest, das etwa 90 % aller von mir aufgenommenen Suizide im unmittelbaren Nahbereich des sozialen/räumlichen Gefüges des Suizidenten stattfinden. Das liegt
daran, das sie sich offenbar "unwohl" in ihrem Umfeld fühlen und gleichzeitig keine Möglichkeit sehen diesem Umfeld zu entfliehen, außer halt im beschriebenen Sinne. Das Zitat ist keineswegs
schwachsinnig, höchstens provokant. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.
#114
Sara(Montag, 29 Dezember 2008 08:57)
Mensch, voll verpasst. Ihr seit ja hier schon wieder mit hitzigen Diskussionen beschäftigt, während ich die ganze Zeit brennende Kerzen bestaunt hab. Naja, so kommt es mir jedenfalls vor.
Mir hat deine Weihnachtsgeschichte auch gefallen Finn. Falls man da von "gefallen" sprechen kann.
Auch wenn ich mir nicht ganz so sicher bin ob sie das richtige für den Kindergarten oder für´s Seniorenheim gewesen wäre...
dali ist lange tot...und hier tuen sie mir leid die toten, weil ihre worte so aus dem zusammenhang gerissen werden...die "armen" toten...die sich nicht mehr erklären können...nicht mehr klar-stellen
können...was wirklich ihre meinung war...
#111
Julia(Donnerstag, 25 Dezember 2008 17:01)
Unterschiedliche Meinungen machen doch ein Thema erst interessant, oder nicht?
Wer interessieren will, muss provozieren.
(Salvador Dalí)
#110
Jette(Donnerstag, 25 Dezember 2008 14:31)
schöne weihnachtsstimmung! das gefällt mir! leider auch irgendwie lächerlich! entladet euern frust woanders- für euch selbst...denn es ist einfach peinlich!
...dafür komm ich nochmal zurück...das geht ja garnicht...was ist das denn für ne oberkacke? finn-ole heinrich, wo lebst du denn? im mittelalter? literatur als provokation zu sehn oder zu machen ist
für mich das letzte! weißt du denn nicht, dass nur durch provokation kriege entstanden sind und immer noch entstehen? willst du das...krieg??? literatur ist für mich EINE art der kommunikation,
aufklärung, erklärung und der schlüssel zu türen, die uns sonst verschlossen bleiben würden. türen um zu einander zu finden, den anderen kennen zu lernen um in frieden leben zu können. und was soll
das "alter mann und junger schnösel" getue? wo soll das hinführen? finn-ole heinrich, habe ich mich so in dir geirrt? schade...eigentlich...friedvolle tage...für euch alle...
#108
uwe(Donnerstag, 18 Dezember 2008 20:12)
Danke für die Aufklärung über KZ´s und Literatur - mußte mal gesagt werden! Dann hat das ja toll geklappt, den Spießer hervorzulocken. Darauf ein Piccolöchen unter hoffentlich Unterdreißigjährigen ob
der gelungenen Provokation. Wie geil!
Bleibt dabei: Wer Heimat hat - bringt sich nicht um, zumindest tut er es weniger. Diejenigen, die es natürlich trotzdem da tun, halten es nicht aus, daß es sie gibt. Sie setzen ein Zeichen, wo es hin
soll. Aber es ist eben nicht typisch. Ich vermute eher die Ausnahme. Schade, die Vorstellung war so romantisch und unspießig. Fast cool. Ich glaube, Sonja schrieb sowas wie, daß Heimat bewegt und
einen sozusagen auf Trab hält. Das ist viel typischer und unsuizidaler. Suizidalität ist die Aufgabe an den Glauben an Bewegung. Heimat bewegt aber - wenn nicht, ist es nicht Heimat, über die geredet
oder empfunden wird. Sondern vielleicht über die Muffigkeit, die Fesseln des Daseins o.ä., die Unfähigkeit, die Heimat als Herausforderung, als Ruhepol, oder beides zu sehen.
Ich bin wahrlich ein Freund der Metapher und der Übertreibung - nachgewiesenermaßen, aber tut mir leid - diese Zuspitzung zum 100sten ist eher irreführend und unpassend.
naja, ich finde, so wörtlich muss man den bernhard ja nicht notwendigerweise nehmen. (wobei der satz so blöd ja nicht sein kann, uwe, wenn du ihn so stark bebilderst. wo macht denn genau der suizid,
den du da beschreibst sinn, wenn nicht zuhause? und dann erschließt er ja nur eine weitere dimension des umgangs mit heimat...
und waren kzs stätten des suizids? vielleicht auch, aber in erster linie wohl stätten des mordes)
interessanterweise musste ich, als ich den satz gelesen hab, ausgerechnet sofort an dich und einige deiner sätze über heimat denken, uwe. nämlich, dass man sich heimat nicht aussuchen kann, dass
heimat auch aufgabe ist, nicht nur der liebende schoß, das maiglöckchenparfüm auf omas toilette, nicht der pflaumenkuchen bei mutti, sondern auseinandersetzung, haltung, verantwortung.
und bernhards satz - so habe ich ihn jedenfalls gelesen - sagt doch was ganz ähnliches, nur auf eine viel drastischere und verzweifeltere art: man kann daran, an der aufgabe, der auseinandersetzung,
der heimat ja auch scheitern. und dann? kann man sich immer noch überlegen wie man damit umgeht. aber in der kürze, in der präzision und provokation finde ich den satz alles andere als dumm.
verkürzt, ja. bestimmt die falsche antwort, ja. nicht richtig in den meisten fällen, auf die man in anwendet, ja. aber blöd? nein. finde ich echt nicht. ist eben ein fetzen literatur. und die ist
dazu da, zu irritieren und zu provozieren und dich spießigen alten mann zu solchen äußerungen zu bringen.
...grad wollt ich schreiben, ohweia - hoffentlich nimmt das niemand wörtlich - aufhängen...seine "bilder" aufhängen...und wenn es stimmt, was thomas bernhard sagt, dann ist das internet ein stück
heimat für mich...diese hp und na klar auch meine eigene...es ist zeit für mich...mich in die stille zurück zu ziehen...um mich vorzubereiten...für den heiligen abend, der etwas besonderes für mich
ist. ich werde die nacht verbringen, im schlafsack unterm sternenhimmel...allein an "meinem" mystischen see...es wird kein mensch da sein und doch werde ich den ein oder anderen bei mir
fühlen...allen eine zeit zum glücklich sein...und danke, es hat mir hier bei euch gefallen...ich sag dann mal...bis denne...und...auf ein neues...
#105
uwe(Mittwoch, 17 Dezember 2008 18:27)
Jette - außerdem, wenn ich lese, was Du schreibst, wird mir auch ganz heimatlich. Das ist meine Denke. Warum schreibst Du keine Bücher, nur Dein kleiner Bruder?
#104
uwe(Mittwoch, 17 Dezember 2008 18:06)
Hat das Stil - einen Schwachsinn zum Hundertsten? Nicht der erbärmlichsten sozialempirischen Untersuchung würde das standhalten. Klar gibt es sowas. Hier hat sich neulich einer umgebracht, der ist
auf einen alten Förderturm geklettert und hat sich suizidiert. Das ist die Marke Mensch: Alle hier sollen sehen, was sie mir angetan haben, alle sollen es sehen, hautnah, in der direkten Umgebung,
Mama, Papa, all die Hurensöhne, die mich nicht richtig erkannt haben.
Gibt es - keine Frage. Und die anderen? Ist ein KZ ein Zuhause (zugespitzt, jaja, ich weiß). Selten einen so blöden Satz gelesen! Soviel zum Jubiläum - tut mir leid.
der zeitpunkt ist gekommen, wo scheinbar die erklärung für den begriff heimat gefunden wurde: heimat ist da, wo man satt wird. als ich den text las, bekam ich magenschmerzen und brauchte einige tage
um zu wissen warum. es gab da schon mal jemanden, der "das volk" satt gemacht hat...satt - für mich ein gefährlicher ausdruck. es gibt gesellschaftsformen, die schon so manchen den magen verdorben
haben...und nicht nur den magen. sattsein bedeutet für mich trägkeit, willenlosigkeit und genügsamkeit. zu viele totgesättigte sehe ich täglich um mich rum...keine lebendigkeit mehr da...satt gemacht
werden, nein, nicht der passende ausdruck für mich! für mich ist heimat finden,da, wo ich meine lebendigkeit im ganzen wesen meines daseins spüren und leben kann: wenn das kribbeln der lebensenergie
in jeder zelle des körpers frei fließt, der geist hellwach ist und die seele voll freude sich in kreativität ausdrücken darf - egal in was für einer form...dann ist der ort der heimat gefunden. eine
zeitlang ausruhen und genießen was ist...um dann weiter gehen zu können um eine neue art-ort heimat zu finden...die welt ist zu vielfältig um einfältig zu sein...
#101
Jette(Donnerstag, 11 Dezember 2008 21:20)
Bruderherz,
jetzt noch ich, damit sich das ganze familiensimsalabim langsam füllt...
ohne frage- es besteht ein unterschied zwischen heimat und zuhause! mein zuhause ist da, wo mein bett ist und mein schrank und wo ich esse...
heimat ist anders, sehr viel mehr. Bedeuten all diese schönen bilder und Situationen, die beschrieben werden, nicht einfach Vertrautheit? ich kenne das. vor allem und am stärksten, wenn ich das
waschmittel meiner mutter rieche. schönes bild-toller geruch. aber ist es nicht einfach modern und romantisch seine heimat so zu definieren? meine heimat ist doch da, wo meine wurzeln sind, wo ich
mich entwickelt habe, wo ich sovieles "zum-ersten-mal" gemacht habe. finn würde jetzt wohl sagen: ja, aber wir suchen nach den teilen. diese teile...wenn ich daran denke (an die teile), wie das
waschmittel, dann lande ich immer bei meiner familie und cuxhaven - also behaupte ich, dass diese teile "nur" erinnerungen oder verknüpfungen dessen sind, was für jeden von uns seine heimat
ausmacht.wenn ich sie verfolge und bis zum ende weiter denke, dann lande ich bei meiner heimat. bei mir familie und cuxhaven (so unwohl ich mich in dieser stadt fühle- sie ist doch meine heimat vll
auch nur im zusammenhang mit meiner familie?!)
#100
Julia(Sonntag, 07 Dezember 2008 00:35)
kann es sein, dass heimat besonders an weihnachten unheimlich wichtig wird? egal wo du gerade bist, an weihnachten will man einfach zu hause sein. dort wo es die gefüllte gans gibt die nur mama so
kann, die leckeren plätzchen...einfach das ganze drumherum. mag sein, dass der ganze konsumwahn weihnachten zu stress werden lässt.
an weihnachten tut man nen teufel, um an heiligabend dort zu sein, wo heimat ist... das ist dort wo man satt wird, wo menschen auf einen warten und dort wo man so sein kann wie man ist.
räuberhände...ein buch, das mich an ein stück alte heimat erinnern ließ. als ich es las, fand ich mich in samuel wieder. längst vergessene wunden brachen wieder auf und meine gefühle schlugen
purzelbaum...ich wurde krank. ein freund schrieb mir, nimm dir was du brauchst. und ich las das buch nochmal. aber dieses mal anders...ich las nur die eingeklammerten texte und fand eine wunderschöne
liebesgeschichte. alles alte konnte bei mir heilen und das buch ist ein wahrer schatz für mich...und vielleicht hab ich glück und ich lerne ihn mal persönlich kennen...samuel
nee, läuft weiter, stirbt nicht, der laden hier. werds nur nicht mehr sooo intensiv betreuen. portraits, die entstehen, werd ich auch weiter online stellen, aber nicht mehr jede woche...
und wer mir was schickt, hat auch weiterhin chance, dass es hier erscheint. und das gästebuch, ganz klar, bleibt am leben!
#96
Julia(Mittwoch, 12 November 2008 15:50)
was passiert eigentlich mit heimathuckepack nach ablauf der zeit? offline? alles wech? not available?
Hallöchen, ab sofort kannst Du fast geschenkt ein super Chalet bekommen; das kann ein tolles Heim sein mit viel Aussicht - schau bei mir schnell rein.
LG - Jo
#94
jule(Freitag, 31 Oktober 2008 16:32)
hm...es gibt auch in städten scheiß dinge...
außerdem lernt man in kleinstädten bzw. dörfern sehr gut damit umzugehn, andere menschen und ihr dummes gelaber zu ignorieren. andererseits versteh ich es auch wirklich, dass man da flüchten will.
und man kommt irgendwie nie woanders hin...
aber joa ich glaub auch nich, dass du cux nich vermisst oder so ....
ich denk auch, dass es keine rolle spielt, ob es schön für dich war oder nich.
aber wenn du nie wieder dort hingehn könntest, dann würdest du es vermissen oder nich?
#93
Sara(Freitag, 31 Oktober 2008 12:42)
Eigentlich weißt du schon wo ich herkomm.
Hab ich dir in meiner Mail geschrieben. Aber ich
verzeihe dir, dass du dich nicht mehr dran erinnerst.
Bei den vielen Fans :-)
Hannover. Da bin ich geboren. Aber ich finde gar
nicht, dass das wirklich eine Rolle spielt ob es da
schön war oder nicht.
Wenn wir hier jetzt von Uwes Definition von Heimat
sprechen, dann hast du eigentlich keine Chance
dich von Cuxhaven zu lösen. Also nicht wirklich.
Das ist ein bisschen wie Familie.
Deine Eltern verlässt du auch irgendwann, aber was
sie dir in frühster Zeit gezeigt, erzählt,
beigebracht haben trägt einen so großen Anteil
daran wie du heute bist. Das kannst du irgendwie
nicht ablegen. Vielleicht höchstens vergessen.
Aber es ist ja auch nicht der Ort selbst der
dich geprägt hat. Sondern, dass alles was wichtig
war dort stattgefunden hat. Keine andere Stadt auf
der Welt, egal wie schön sie auch sein mag, kann
diese ersten Erinnerungen ersetzen.
Aber das heißt ja nicht, dass du Sehnsucht nach
dem Ort haben musst. Es geht ja irgendwie eher um
diese aller ersten Prägungen im Leben. Die können
ja auch schrecklich sein. Aber prägend bleiben sie
eben trotzdem.
#92
Sophie(Freitag, 31 Oktober 2008 12:39)
Sind es die Menschen und Strukturen in Cuxhaven, die dich "krank" machen?
Das kann ich aus dieser Perspektive noch verstehen, aber wenn du jetzt am Wochenende da wärest. Morgens die Sonne aufgeht, du in Döse in der Nähe der Kugelbake spazieren gehst, wo kein Mensch ist,
völlige Ruhe, die Sonne dein Gesicht wärmt und du das Surren der Schiffsmotoren hörst...
Irgendwie ist das für mich auch Cuxhaven... das sind ja keine Strukturen. Vielleicht gibt es diese Momente auch an anderen Orten an der Nordsee... aber dieses Gefühl gehört für mich mit zu Cuxhaven
und somit auch ein Stück Heimat.
hej, das ist ein ausgesprochen guter satz finde ich:
>Wahrscheinlich weil sie alle ahnen, dass ein >wichtiger Teil von ihnen dort geformt, oder >vielleicht auch verformt, wurde.
- ich finde aber nicht, dass in einer neuen stadt nichts eine geschichte hat, alle orte ohne bedeutung sind. das ist doch nur im wirklich allerersten moment so. danach muss man eben die geschichten
finden, die bedeutung, also klar: sagst du ja auch schon, aber irgendwie will ich protestieren. vielleicht nur, weil mir die vorstellung nicht gefällt, dass cuxhaven mich so sehr geprägt haben soll.
also: dieser ort. ich bin ja stolz und ausgesprochen froh über meine freundschaften. fast alle meine wichtigsten freunde sind cuxhavener - und keiner ist mehr in cuxhaven. wenn ihr beide so schreibt
(sara, ich weiß ja gar nicht, wo du herkommst, aber es klingt besser als cuxhaven), dann bin ich fast etwas neidisch: oberhausen ist objektiv vielleicht nicht die geilste stadt der welt, aber
immerhin ist es eine stadt, in die man zur not zurückkehren kann. das geht mit cuxhaven eigentlich echt nicht. ich bin also fast gezwungen, mich von diesem ort zu lösen, meine heimat in den menschen
zu sehen, die mich weiter begleiten, und mit denen ich nun mal eben zufälligerweise vor einer nicht besonders eindrucksvollen kulisse gespielt habe. bei mir ist da wirklich wenig sehnsucht nach dem
ort.
vielleicht wird mir aber auch erst noch bewusst, wie sehr mich cuxhaven geformt hat (ah, wenn ich das schreibe, kann ich, will ich es mir nicht vorstellen). oder eben auch verformt...
#90
Sara(Donnerstag, 30 Oktober 2008 23:34)
Ja, ich verstehe jetzt was du meinst.
Ich finde aber auch, dass man dann gerade in der Fremde erst ein Gefühl für diese Heimat entwickelt. Solange ich in meiner Geburtsstadt gewohnt hab, hatte ich immer das Gefühl, dass ich überall
heimisch sein könnte. Dass es keinen großen Unterschied macht ob ich hier bleibe oder weggehe.
Aber das stimmt irgendwie nicht.
In einer neuen Stadt hat nichts eine Geschichte. Kein Ort eine Bedeutung. Alles ist fremd. Und klar, man sammelt neue Freundschaften, Augenblicke und Momente aber die Ersten prägen einen vielleicht
irgendwie doch anders als alle folgenden. Sodass dann, wie bei dir mit der Frau, plötzlich schon ein kleines Ereigniss ausreicht um, tja, irgendwas auszulösen.
Und "Heimat" scheint auch immer eine gewisse Wehmut mitzubringen. Zumindest wenn man nicht mehr dort ist. Selbst Menschen die eigentlich immer nur weg wollten sprechen nach einiger Zeit anderswo
immer mit einem Leuchten in den Augen von ihrer einst so verhassten Heimat.
Wahrscheinlich weil sie alle ahnen, dass ein wichtiger Teil von ihnen dort geformt, oder vielleicht auch verformt, wurde.
#89
uwe(Donnerstag, 30 Oktober 2008 21:40)
Ja - wobei das sehr unterschiedlich sein kann, was dann tatsächlich an Heimatlichem auch so empfunden wird...Geografie...Essen...Sprache...Umgangsformen...tausend andere Sachen, die sich in uns
einbrennen und die dann bei der Definition von Zuhause fühlen auf einmal eine Bedeutung bekommen, die einem vielleicht erst nach und nach bewußt werden, manchmal aber auch schlagartig.
Ich habe mal eine zeit in Hamburg gelebt und habe mich dort auch sehr Zuhause gefühlt. Dann geh ich eines Tages in der Mönckebergstraße in ein Geschäft und da war eine Frau, die irgendwelchen
Tinneff, Haushaltswaren, Reiniger oder sowas an einem Stand verkauft hat. Ich bin da stehen geblieben, nicht weil mich interessiert hat, was die da verhökern wollte, sondern weil die einen so
wunderschönen Ruhrpottslang sprach. Ich hab das reingesogen wie Muttermilch. Dann fragte ein Mann, wo sie herkomme, und sie sagte, aus Oberhausen, der Wiege des Ruhrgebietes - da war ich ehrlich
überwältigt. Ich hatte das ja nicht vermißt, dann hörte ich es und es hat etwas in mir ganz heftig angerührt, so wie man eine Klangschüssel anschlägt und die ewig lange einen Ton
hinterherschwingt,der durch und durch geht.
Letzten Sonntag, nach dem Fußball saß ich in der S-Bahn nach Bochum neben einem sehr netten Fan aus Kaiserslautern - wir sprachen miteinander und irgendwann fragte ich ihn wegen seiner Sprache, ob er
ein Ossi sei. Er sagte, scheiße hört man das noch immer? Ich hatte es gemocht, daß er so sprach, ich habe lange im Osten gelebt, war dort sehr zu Hause. Aber es war eine ganz andere Emotion,
verglichen mit dem Erlebnis mit der Frau mit dem Verkaufsstand auf der Mönckebergstraße.
Wird es so etwas deutlicher, was ich meine?
#88
Sara(Donnerstag, 30 Oktober 2008 20:47)
Wenn das nämlich so ist, dann hast du schon recht mit dem "aneinander vorbei reden". Ich denke nach dieser Difinition nämlich tatsächlich die ganze Zeit eher an ein Zuhause denn an eine Heimat.
#87
Sara(Donnerstag, 30 Oktober 2008 20:41)
Tschuldigung wenn ich nochmal so blöd nachfrage Uwe, aber du meinst den Unterschied zwischen der "Heimat" in die man sozusagen geboren wird, die man sich nicht aussuchen kann und dem "Zuhause" was
man dann selbst wählt?
#86
uwe(Donnerstag, 30 Oktober 2008 15:47)
Man kommt wirklich nicht ohne eine Unterscheidung zwischen zu Hause sein und Heimat aus - wird immer klarer, wenn man hier noch mal liest. Trifft man diese Unterscheidung nicht, spricht man leicht
aneinander vorbei. Und dann, wenn diese Begrifflichkeiten nicht im Konsens sind, wird es langweilig, sich auszutauschen. Selbstverständlich findet der Mensch überall - jenseits der Heimat, wenn es
gut läuft ein Zuhause, sei es politisch, territorial, spirituell oder im anderen Menschen. Auch findet man durchaus Heimatliches in einem gewählten, gefundenem Zuhause. Das verstärkt die Affinität.
Manch einer sagt dann sogar: Ich habe eine neue Heimat gefunden. In Hamburg hieß mal eine genossenschaftliche Wohnungsgesellschaft so - Neue Heimat. Gibts die noch?
Heimathuckepack ist eine interessante Wortschöpfung. Wir tragen, egal, wo wir sind, heimatliches mit uns rum und tatsächlich, wir entdecken das oft erst in der Fremde. Das ist schön und dient dem
"uns finden". Gibt uns Antworten auf die Frage, wer bin ich, wo komm ich her, was hat mich geprägt, was ist mir was wert. Das hat nichts mit der Ablehnung von Neuem zu tun, aber es hilft mir bei der
Positionierung.
Was mag ich an dem besonders, an dem Schoß, aus dem ich kroch? Was finde ich zum Kotzen? Es ist so, wie Beate sagt (Entschuldigung, ja Du hast völlig recht). Es ist nichts Wertendes. Es ist einfach
eine Realität, ein Teil meiner Identität.
ja dan, ich kann das alles fühlen in der natur und ich hab es sogar schon einmal bei einem menschen gefühlt...und schwach sein, schließt das alles nicht aus...nichts ist unmöglich!
#84
Sara(Samstag, 25 Oktober 2008 00:22)
Mhmmm...ich bin mir gar nicht so ganz sicher ob ich mich tatsächlich irgendwo heimisch fühle.
Vielleicht hab ich´s irgendwann mal. Ich bin nicht ganz sicher.
Mir reicht es auf jeden Fall nicht aus nur irgendwelche mir vertrauten und (in welcher Hinsicht auch immer) wertvollen Besitze dabei zu haben.
Einerseits würde ich sagen, dass man sich dort auskennen muss damit es eine Heimat sein kann. Weil man sich vielleicht irgendwie zurücklehen können muss. Andererseits habe ich mich immer grade dann
am wenigsten heimisch gefühlt wenn ich alles so genau kannte, weil ich mich dann auch immer irgendwie eingesperrt gefühlt hab.
Tja, also vielleicht fühlt man sich heimisch wenn man etwas mit Leidenschaft tut. Wenn man sich zwar gefordert, aber nicht überfordert fühlt. Freiheit gehört auf jeden Fall dazu und die richtigen
Menschen zu kennen.
Das hat jetzt wieder wenig mit dem "Ort" Heimat zu tun. Aber ich glaube der ist auf jeden Fall variabel. Nur ein paar grundsätzliche Sachen sind da dann wahrscheinlich wichtig: Stadt/Dorf,
Meer/Berge, Deutschland/Ausland
#83
dan(Freitag, 24 Oktober 2008 23:55)
sag mir wo du das alles findest sonja; freiheit, toleranz, akzeptanz, friede, liebe... was du heimat nennst ist ein ideal.
hast du diese heimat denn jemals irgendwo gefühlt? wenn ja sag mir wo, denn diese vollkommenheit scheint mir unter uns schwachen menschen, die wir doch sind, unmöglich.
freiheit, toleranz, akzeptanz, friede, liebe -wo ich dieses alles finde- da(s) ist für mich HEIMAT! einfach nur glücklichsein dürfen, weil ich nur dieses eine leben habe.
#81
Beate(Dienstag, 21 Oktober 2008 20:27)
ja, ich melde ich mich jetzt doch mal zu Wort:
"Heimat huckepack" lädt ja nun dazu ein, Heimat auch ganz inflationär zu benutzen. Politische Heimat, religiöse Heimat, Heimat in Menschen, Heimat in Kästchen und Döschen, Heimat als Erinnerung an
alles, was Mensch so in sich trägt ....
Ich ordne offenbar gerne Dinge und finde an der Definition zu dem Begriff „Heimat“, die Jule aus Wikipedia zitiert, ja viel Wahres.
Sicherlich eine Definition, die noch stark geprägt ist aus Zeiten, die weniger Mobilität kannten, mehr Kriege in Europa (woanders bestimmen sie immer noch das leben der Menschen) und damit Flucht und
Vertreibung und damit den Verlust von Landschaften, die man nur kennt und scheinbar so sein müssen für immer und ewig, für Sprache, die man nur kennt, für Umgebung und Haus und Garten, Besitz
vielleicht, für politische Bedingungen, unter denen man lebt, kulturelle Systeme. Es scheint so, als hätten schon „wir um die 50 Jahre“, nicht mehr viel mit dem Begriff der Heimat am Hut, die
jüngeren, die sich an diesem Gästebuch beteiligen, noch viel weniger.
Was wäre, wenn hier in Deutschland Leben nicht mehr möglich wäre und wir alle nach Afrika, Asien oder Neuseeland fliehen und uns dort integrieren müssten?
Nicht nur die Döschen und Freunde und Erinnerungen im Gepäck würden enorm an Bedeutung gewinnen, sondern auch all das, was in unserem Raum für uns verbindliche Regeln des Zusammenlebens (heute wie
selbstverständlich) sind – wir würden sie vermissen, würden uns als ehemals „Deutsche“ suchen und wenn gefunden, möglichst dicht beieinander bleiben. Es ist das, was die Menschen(mit
Migrationshintergrund), die hier leben und aus anderen Ländern kommen, täglich tun, was ihnen vorgeworfen wird, weil sie es scheinbar gegen die Integration tun.
„Heimat“ in diesem Sinne existiert, sie existiert unnachgedacht und nicht hinterfragt, sie gewinnt vermutlich nur an Bedeutung, wenn ein Mensch sich für länger als „auf Reisen“, „für eine Arbeit im
Ausland“ entscheidet, das Land, in dem er aufgewachsen ist, verlassen. Noch schlimmer: verlassen muss.
Ich kenne viele Menschen, die Cuxhaven noch nie verlassen haben. Weil sie kein Geld haben, weil sie „bildungsfern“ sind, auch nicht ansatzweise eine andere Sprache sprechen: für sie ist
Cuxhaven/Heimat noch mal viel mehr Ort der Sicherheit, was überhaupt nicht heißen muss, dass sie sich wohl fühlen, „Zuhause“ fühlen, zufrieden wären.
Ich würde immer sagen, Deutschland ist meine Heimat, was überhaupt nichts damit zu tun hat, dieses Land und seine Geschichte, seine Gegenwart und seine Zukunft gut zu finden – ich kenne mich darin
aber aus, es ist mir vertraut, es ist geographische, kulturelle, ….vor allem sprachliche Heimat.
Nun geht es mir weiß Gott nicht um Besserwisserei, ich glaube nur, dass wir potenziellen Kosmopoliten uns verdammt was vormachen, wenn wir glauben, dass wir unabhängig von Heimat in diesem Sinne
sind. Wir müssen derzeit nur nicht darüber nachdenken, weil wir als „wohlhabende“ Menschen in einem reichen Land scheinbar überall Zuhause sein können – immer da, wo der Rucksack uns hinträgt,
worüber das Tagebuch schreiben möchte, wo uns das Projekt, in dem wir arbeiten, hinträgt …. – solange das alles so funktioniert.
...wieder zurück von der hallig...dort regiert nur einer "die natur"...der mensch fügt sich ein, wird ein teil von ihr, hütet, beschützt dieses wunder-volle fleckchen erde...ich denk an uwe -das
gelobte land-...all ihre kraft wenden sie auf-die menschen-um ihre heimat zu erhalten und ich darf für eine kurze weile hier zuhause sein und kann es kaum in worte fassen: schon als ich kam legtest
du deinen samen in mein herz...den ich begoß mit meinen tränen voller glück...stille-die ruhe vor dem sturm...landunter-nur um deine wilde schönheit mir zu zeigen...in den tiefen deiner gräben fand
ich das blühende leben...ich fühle einheit
Oft sind Klischees wirklich nützlich bei der Definition, ob sie einem gefallen oder nicht.
Heute nach der Arbeit wieder einkaufen - den Berg runter mit dem Fahrad von Zeche Osterfeld nach Lidl hin - not political correct, i know! Nimmt mir so ein Blödmann die Vorfahrt - alte Rostlaube,
Ford Escort mit kaputtem Auspuff - fährt vor mir auf den Parkplatz, quält sich mit seiner Plautze aus dem Schrotthaufen. Hast Du keine Augen im Kopp, sach ich höflich. Is doch nix passiert, sacht er,
die Blagen waren am Knöttern (die Unmenge kleiner Kinder auf dem Rücksitz haben ihn abgelenkt). Naja dann! Recht hat er und grinst, zieht sich die graue Jogginghose hoch und mach die Kofferaumhaube
auf. Ich mag ihn auf Anhieb, sehe in seinen Augen, er kennt das Leben. Er könnte viel erzählen, garantiert von seiner Lehre auf der Zeche oder inne Hütte (Stahlwerk). Das ist lange her - ich kenn
mittlerweile diese Sorte Mensch.
Aus der Beifahrertür steigt die Perle, etwas verbraucht, hager, auch Jogginghose, aber die Pömps fehlen, hat auch was Liebes im Gesicht. Sie geht einkaufen, er läßt sich mit seinem Minipli,
Nackenspoiler und Rotzbremse (hierzulande sagt man etwas empathischer Schenkelbürste)in den Escort fallen und steckt sich erstmal eine an.
Bis hierher alles voll Klischee, fast wie in Essen Kray. Aber es kommt noch besser. Ich begucke mir das Auto genauer und bemerke die Aufschrift: Erotik-Auktionshaus, denke an den kaputten,
unüberhörbaren Auspuff, die Jogginghosen und so, muß in mich reingrinsen. Dann lese ich noch mehr, eine Internetadresse, wahrscheinlich, damit man gleich weiß, daß es sich nicht um sowas wie Sotheby
handelt: www.abgenudelt.de. Hömma, wenn das nicht der Hammer ist!
Das ist das Klischee, das ist das Eine. Was ich aber mag ist, daß so einer hier wahrscheinlich ein durchaus geachteter Mann ist, dessen Meinung gefragt ist, der durchaus auch Anerkennung bekommt, daß
er nicht Hartz 4 kriegt, sondern clever ist. Das ist in meiner Heimat besonders. Das geht hier leichter, als woanders, ich weiß das. Da sagt auch die 80jährige Nachbarin, warum denn nicht - der Ingo
(?) war sich schon immer für nix zu fein. Der war schlecht inne Schule, aber der hatte immer Ideen. Ich mag das. Auch das ist meine Heimat.
Ich beschließe meinen Einkauf und fahre gut gelaunt nach Hause (Ingo oder Uwe oder wie er heißt) ist Schuld daran, durch eine kleine Wohnstraße, wo die Häuser auch im Parterre Balkon haben. An einem
Balkon, voll mit Rot und Weiß ausstaffiert, aber auch mit einer nicht zu übersehenden Schalke Fahne lehnt ein Rentner über die Brüstung und palavert mit 3 anderen Best Agern. Der eine mit ganz bunter
Lederjacke mit so Werbeaufdrucken, gabs bestimmt mal bei Woolworth. Da sehe ich so links in Herzhöhe einen Markennamen (vergessen welchen) und drunter exhaust systems. Irgendwie ein echt runder
heimatlicher und vor allem lustiger Tag.
mh, alex, weiß nicht so recht, ob ich mich dem wirklich anschließen kann. erleben = heimat? ich glaube eigentlich eher, dass das, was du mit dir rumträgst, deine heimat, dein geworden-sein, dir ein
stückweit vorgibt, wie du wahrnimmst, wie du erlebst, zu welchen erlebnissen du in der lage bist. das verändert und erweitert sich natürlich ständig, so wie heimat eben auch ein ständiger prozess
ist, zumindest glaube ich das, aber es ist nicht das erleben an sich. heimat ist zwar in jedem moment präsent, aber irgendwie wohnt die heimat doch zu einem sehr großen teil in der vergangenheit.
oder nicht?
Hey,
bin eher zufällig über deine Page "gestolpert"..
Ich find dein Projekt sehr nice! Is' echt eine sehr beeindruckende "Suche"(?)
Ich vebinde mit dem Wort Heimat keinen Ort, sondern viel mehr ein Gefühl..Einen Moment/Augenblick.. Solche Gefühle und Augenblicke sind wichtiger, als jeder Ort, an dem du denkst, eine Art zu Hause
zu haben. Das Gefühl, wenn du mit deinen Leuten oder auch alleine irgendwohin fährst und es dir dabei mehr gibt, unterwegs zu sein, als morgens aufzustehen, den Tag schon von vornherein komplett
durchgeplant zu haben, und einfach mal drauf los fahren/laufen..ma' schauen was passiert..
Ich denke auch; "alles mitnehmen, was geht".. Soll im weiteren Sinne bedeuten, es ist zu wichtig 17.000 Sachen zu erleben, als stattdessen sein Leben zu verbringen um zu "funktionieren". Also, wo is'
die Heimat? Sie findet in jedem Menschen statt, den man trifft, den man kennt, in jedem nicen feeling, egal wo man ist, in jeder Erinnerung, die man zu schätzen weiß...
manchmal kann man heimat wohl in menschen packen. in einen, oder in mehrere. heimat ist da, wo wir sind, das könnte ich manchmal sagen, egal wo meine füße gerade stehen.
#70
Julia(Mittwoch, 01 Oktober 2008 22:19)
Herrlich so ne Erinnerungsbox. Meine ist ne After-Eight-Blechdose. Mit Boardkarte, Kinderausweis, ne Schiene vom Kleinenrechtenfingerbruch, die erste Hundemarke meines Hundes und ein Milchzahn, so
Sachen halt. Die After Eight Erinnerungsbox ist nicht in meiner Wohnnung, sondern bei meinen Eltern. Also bei mir Zuhause, das ist dieses "für dich steht die tür immer auf ding". Ich glaub ich schau
nächstes mal in die Box, wenn ich wieder da bin.
ich kenn kaum einen, der noch mobiler ist als freund spring. der richtet sich nie irgendwo ein. seine zimmer sehen immer aus wie bahnsteige. ich hab ein interview mit ihm gemacht, aus dem demnächst
auch ein monolog werden soll (mal sehen) und mit ihm drüber gesprochen. und er hat erzählt, dass er schon als kind jede woche sein zimmer umgeräumt hat. und heute ist er einfach nie in seinem zimmer,
nur zum schlafen. sonst ist er im büro oder draußen, unterwegs, bei freunden. aber eben fast nie in seinem zimmer. und ich glaube, er will es sich auch gar nicht bequem machen, weil er gar nicht
will, dass ein zimmer ihn lockt, dass es ihm nahelegt, darin rumzuhocken. er hockt ja schon so viel im büro.
aber so eine box, jule, so eine box hat er erstaunlicherweise auch. und zwei truhen. so schatzkisten. da kann er nicht drinrumhocken, aber da sind lauter so kleine erinnerungskrücken drin, wie du es
beschreibst, da hat er einen kleinen "ort" gefunden. ich hab sowas auch und ich glaube, fast jeder hat so was. so eine kleine schachtel oder sowas, wo so ein bisschen stuss drin ist. so unnütze
gegenstände, schlechte fotos oder schätze, münzen, dinge, von denen man als fünfjähriger mal dachte, dass sie wertvoll werden würden. alles nur erinnerungshelfer, aber man kann sie nicht
wegschmeißen, weil sich das so anfühlen würde, als würde man einen teil von sich selbst wegwerfen.
12 stunden arbeit,dann krankenbesuche...meine freundin ruft an,komm auf´m rückweg zum essen vorbei...ich koch für uns. sie wartet schon am eingang auf mich, wir umarmen uns, sie dreht sich um sich
selbst und ich seh´s...he neue frisur, wow siehst du gut aus...wir lachen...sie sagt, komm rein, essen ist fertig, ich koch dir nen tee...das tut gut...freundschaft...fürsorge. sie redet weiter, du
mußt ja nur noch 3 tage, dann haste urlaub...sie tröstet mich. ja, URLAUB! hab mir ne insel ausgesucht, ne kleine insel, ne hallig...18 menschen und ich...wattschlamm, wind, wasser und weite...viel
weite...mal wieder andere gedanken lesen...und ich werde sie fragen, die menschen, wie es ist, wenn einem so nach und nach die heimat unter dem hintern weggespült wird. auf dem nachhauseweg hör ich
im radio ein lied von peter fox...alles neu...mensch, der singt ja meine gefühle denke ich...heimeliges breitet sich in mir aus...eine wohlige wärme...
#67
jule(Dienstag, 23 September 2008 18:40)
lianne-johanne:
wir sagen doch alle für uns, was wir unter heimat verstehen und was uns heimat gibt....wir haben doch alle nie behauptet, dass es genauso is, wie wir sagen. es hat doch hier jeder ne andere
meinung...
so hab ich auch noch nie über heirat gedacht...aber da is schon was dran irgendwie.
ich hab übrigends sone box...da sind fotos drin von allen menschen, die mir wichtig sind. und briefe und dinge, die mich an was erinnern. und da is auch mein tagebuch drin ( was ich allerdings nich
mehr führe)...und wenns mir kacke geht, dann guck ich da oft rein. weil ich dann noch mal vor augen hab, was ich schon so alles erlebt hab und welche menschen mich lieben und die ich liebe und so.in
diese box darf natürlich niemand reingucken-das is meins...mein leben...meine eigene welt sozusagen.alles was mir wichtig is in soner winzigen box -meine wurzeln und meine menschen, die ich so lieb
hab -und somit wohl auch ein bisschen heimat irgendwie.
und finn du arsch...du könntest deiner schwester ruhig mal zurückschreiben!
Die Heimat kann ein Ort oder ein Gegenstand sein, wo man sich wohl, sicher und geborgen fühlt und immer wieder dorthin zurückkehren will bzw. sich wohl und verbunden fühlt (der Person z.B gegenüber,
der einem den Gegenstand geschenkt hat).
Es ist nicht NUR das Zuhause, das Haus in dem man lebt.
Die Heimat ist eig. recht individuell. Jeder weiß für sich selbst, was seine Heimat ist. Viele fühlen sich an vielen Orten zu Hause, ist ihre Heimat. Manche tragen ihre Heimat mit sich herum. Eine
Kette zum Beispiel, oder wie schon genannt, ein Ring. Ohrringe, vielleicht bestimmte Kleidungsstücke. Erinnerungsstücke...
Man kann es für Andere nicht sagen, sondern nur für sich selbst. Daher sollte bzw. darf man eig. nicht sagen, was eine Heimat ist oder nicht, denn für jeden Menschen kann und ist es etwas Anderes.
Vieles mag vielleicht übereinstimmen, aber nicht alles und dass sollte man einfach berücksichtigen!
PS: Schöne Homepage! :)
Ideen...hm, inwiefern Ideen? Für was? Mir fallen unheimlich viele Ideen ein, vor allem für Projekte oder Filme. *lach*
Wünsche noch viel Spaß! Have a nice day! ;)
#65
uwe(Montag, 22 September 2008 23:19)
Heimat ist nicht was Schickes, was man so im Rucksack irgendwie wehleidig mit sich rumträgt. Es ist, man spürt es - oder nicht. Ach, wir sind heute so vielgereist - heute Äquator, morgen Antarktis.
Für mich, wie gesagt gibt es auch einen feinen, aber wichtigen Unterschied zwischen zu Hause und Heimat. Das spüre ich. Kann an vielen Orten zu Hause sein. In Ulan-Bator und auf St.Pauli. Klar, mit
dem Ring am Finger, wenn er paßt auch in Timbuktu. Ist ein Irrtum, wenn man denkt, wir sind heute so bereist. das machen die Menschen schon lange vor uns. Die meist wirtschaftlichen Grundlagen
zwangen Menschen schon lange zu gehen, auch sich eine neue Heimat zu suchen (was ist das eigentlich?). Der Ruhrpott oder New York oder andere Orte sind dafür lebendes Beispiel. Von allen Orten, an
denen ich war nehme ich etwas mit, von vielen Orten, an denen ich war nehme ich eine liebevolle Erinnerung mit, eine Verbundenheit. der Begriff Heimat bleibt für mich davon unberührt. Ist auch ganz
egal, wie weit weg man ist. Für mich war als Kind Köln ganz weit weg. Als ich mit 12 hinzog, war Oberhausen weit über den Äquator. Früher sind Menschen aus Schlesien in Massen in den Ruhrpott gezogen
- heute heißen hier alle Koslowski und Schimanski, halb Deutschland ist übrigens via Bremerhaven in die USA ausgewandert. Irgendwie ist Wehleidigkeit im Bezug auf Heimat, weil wir heute, ach so
modern auf Achse sind, naja, zumindest zu relativieren.
hatte heute ein schönes gespräch mit einer 77 jährigen...erst hat sie geschimpft wie ein rohrspatz, weil "der blöde hund mir mein 30 jahre altes fahrrad geklaut hat,was ich über alles liebe, nur weil
der doch bestimmt zu faul war zu laufen. aber heute abend gibt´s den jauch, der hat ja jetzt auch geheiratet, auf den freu ich mich, da hat mein mann keine chance." ich sag ihr, es ist doch egal ob
man verheiratet ist oder nicht."oh nein, das ist nicht egal! mir hat der ring an meinem finger eine heimat gegeben...ich bin aus´m osten...damals als der iwan kam und mir meine heimat genommen hat,
mit allem drum und dran...meine eltern, meine geschwister alles...ich hatte nix mehr als ich hier rüber kam...der ring war mir sehr wichtig...er hat mir eine neue heimat gegeben...sicherheit!"
schluck...so hab ich ehe noch nie gesehn...und da fällt mir der film von gestern ein (wo ich grad porno unten bei nele lese)...wolke 9...der sohn meiner freundin sagte, wo wollt ihr denn rein? in
einen porno für 80 jährige...großes kino, für mich...es wird wenig geredet, keine musik. doch die schauspieler sind für ihre rollen geboren...eine 60 jährige erwacht durch sex aus ihrem 30 jährigen
ehe-dornröschen-schlaf...und da wird "einem" auch die heimat genommen...großes kino...
#63
nele(Montag, 22 September 2008 14:04)
hey brüderchen,
das ist wirklich ein hochinteressantes konzept - ich vertrete seit meinen südamerika-trips die gleiche these. auf langen reisen ist der rucksack das schneckenhaus, die heimat huckepack eben, und es
ist erstaunlich, was für eine bedeutung profane gegenstände wie die zahnbürste und das zweite paar jeans auf einmal erhalten, wie sie in der fremde zu unverzichtbaren, weil identitätsstiftenden
bezugspunkten werden.
in einer welt, in der alle immer öfter unterwegs sind und das sich-bewegen so selbstverständlich geworden ist, wie es früher war, ein leben lang auf seiner scholle zu sitzen, muss sich der
heimatbegriff zwangsläufig transformieren. in gewisser weise leben wir alle in einer permanenten diaspora. ich hab da grade ne hausarbeit drüber geschrieben, über medien-diasporen, und bin dabei zu
dem schluss gekommen, dass es im grunde die kommunikation mit anderen ist, die uns das gefühl gibt, zu hause zu sein: kommunikation (im sinne von austausch, von teilen) mit denen, in deren gegenwart
wir uns gerade befinden ebenso wie mit denjenigen, die weit entfernt leben, die wir vielleicht zurückgelassen oder jedenfalls lange nicht mehr gesehen haben. dafür gibt es emails, chats und
webcams.
heimat besteht aus verschiedenen versatzstücken: familie, freunde, arbeit, orte, erfahrungen. und damit ist heimat auch ein großes stück identität, die nicht statisch ist, sondern ständig ergänzt und
verändert wird. das gilt mittlerweile auch für die kulturelle idenität von nationen und völkern.
sehr verwunderlich fand ich, dass ich erst in südamerika, als ich das erste mal richtig weit weg von "zu hause" war, gemerkt habe, was meine geographische heimat, meine herkunft, für mich bedeutet
bzw. wie sie mich geprägt hat: am äquator habe ich gesehen, was an mir "deutsch" (oder von mir aus europäisch) ist. mein individualismus, eine gewisse sehnsucht nach organisation und verlässlichkeit,
der drang nach gelegentlicher einsamkeit und die abneigung gegen gruppendynamik, die in den meisten gegenden der welt überlebensnotwendig und deshalb selbstverständlich ist. das musste ich
zwangsweise revidieren und versuche in der folge in selbstvergessenen momenten noch heute, in berlin einen bus außerhalb der haltestelle rauszuwinken (in ecuador gibt`s nämlich nicht mal
haltestellen) und finde es befremdlich, wenn nach einem kneipenbesuch die rechnung zerpflückt wird und jeder seine drinks selbst zahlt. weil sich eben beide lebenswelten in mir vermischt haben.
trotzdem glaube ich, dass jeder mensch einen bezugspunkt braucht, dass ein leben als globaler nomade auf dauer nicht erfüllend und vor allem ziemlich anstrengend ist. mir geht es zwar ähnlich wie
dir, mein zu hause ist in erster linie meine arbeit und so lange ich die habe, könnte ich fast überall leben - solange ich mir aussuchen kann, wo. ich brauche aber einen geographisch festen
bezugspunkt, von dem ich weiß, dass dort - wenigstens temporär - mein lebensmittelpunkt liegt, sonst werde ich unruhig.
so, und jetzt knutsch ich dich und freue mich drauf, dich bald in meiner porno-noch-heimat samt mitbewohnern und güldenen wasserhähnen begrüßen zu dürfen.
nele
#62
uwe(Sonntag, 21 September 2008 17:52)
Ja Jule, das war wirklich timing - in der gleichen Minute auch noch. Keine Sorge, ich teile auch - obwohl vieles ist auch unteilbar - es berührt das Allerprivateste.
Ich erinnere mich an eine Fahrt mit meinem Vater nach Stolp, heute Slupsk, in Polen, Mitte der Siebziger. Dort kommt mein Vater her. Ich werde das nie vergessen. Ich glaube, das war einer der
Höhepunkte in seinem Leben noch einmal dort zu sein, wo seine Heimat ist. Er war die ganze Fahrt über aufgeregt. Je näher wir kamen, desto deutlicher. Wir fuhren in die Stadt rein, und er stand
völlig neben sich. Das Tacho ging auf 40, 30 auf einer vierspurigen Hauptstraße und er sagte völlig erregt - nur für sich: Das ist die Adolf Hitler Straße und ich spürte seine tiefe Berührtheit etwas
erkannt zu haben. Normalerweise hätte ich gekotzt. Es war für ihn ein großer Moment, Gott sei Dank war er erhaben gegen jedweden Verdacht großdeutscher Tümelei. Das machte es für mich leicht, seine
Empfindungen einfach nur wahrzunehmen und deren Bedeutung einzuordnen.
In den folgenden Tagen ging er mit mir in dieser Stadt viele Wege, oftmals mußte er lange suchen und er war wie in Trance. Viele Orte waren mir aus seinen Erzählungen präsent. Jedesmal, wenn er einen
fand, konnte ich einen Stein aus seinem Herzen plumpsen hören. Ziemlich am Anfang der Nazi-Herrschaft, als die Familie meines Vaters schon drangsaliert wurde, ging mein Großvater schäumend vor Wut
mit meinem Vater an der Hand einen Weg entlang an Forellenteichen in Richtung Innenstadt um sich im NSDAP-Büro zu beschweren. Diesen Weg bin ich mit ihm gegangen - nach etwa 40 Jahren. Ich glaube, es
war einer der bewegendsten Momente im Leben meines Vaters und auch des meinen - und trotzdem war es so, daß es für uns beide etwas völlig anderes war. Da ging es nicht um teilen - es ging um
begleiten - da sein!
Ich bin auch mal vor Jahren mit einem mir sehr wichtigen und lieben Menschen in Oberhausen gewesen, als ich noch nicht wußte, daß ich hier mal landen werde. Da war es auch so. Das war mein ganz
intimes Erlebnis mit meiner Heimat, aber ich war froh von jemand, der mir ganz nah ist, begleitet zu sein. Teilen war das aber nicht!
In diesem Sine, Jule, meine ich das. Ich weiß gar nicht, ob ich meine Heimat mit denen teilen kann, die immer hier waren. Ist schon etwas sehr privates.
ich hatte gänsehaut beim lesen! jawoll! an sowas hab ich gedacht, uwe... danke!
ich hatte heute übrigens zwei lesungen, eine in cuxhaven, nachmittags und dann musste ich mit dem zug und mit dem taxi nach hamburg düsen und dort noch mal lesen. und was habe ich dadurch verpasst?
den historischen bremer sieg in münchen... dafür bin ich jetzt wieder in der nächsten heimat: in hamburg. schlafe heut (gleich...) zum ersten mal in meinem neuen zimmer, das auch nur noch für drei
wochen mein zimmer ist. ist das alles eine hetze...
übrigens wird hoffentlich demnächst der mitmach-bereich aufgepeppelt. julia werkelt an was, auch ulrike ist was am stricken... man kann gespannt sein und sich übrigens weiterhin auch schwer
eingeladen fühlen, selbst mitzumachen: geschichten zu verfassen, interviews zu führen, bilder zu machen oder was auch immer...
ach jule, das mit dem alter hatten wir doch schon...es ist völlig uninteressant...wichtig ist mitdenken, mitfühlen und das kannste :-)
#59
jule(Samstag, 20 September 2008 20:50)
sonja: danke! das is lieb von dir =)hab eher gedacht, das, was ich schreib, is eh fürn arsch, weil ich so jung bin und noch gar keine ahnung vom leben hab. aber toll, dass du das anders siehst
:-)
ich find euch hier auch alle klasse, sonst würd ich hier auch nix schreiben^^
papa...das war mal ein timing. will trotzdem noch ne antwort auf mein text.
und jetzt hör ich mir mal das lied an-
is echt gut.
kann man sich gut hineinversetzten...aber die andern lieder sind auch toll.
jule, ich find dich klasse...so ehrlich, direkt und ungeniert...mein herz ist voller freude, wenn ich deine kommentare lese...weiter so, denn wer dich nicht will, der hat dich auch nicht verdient
:-)
uwe, ja ich kenne auch diese augenblicke, wenn der gedanke kommt: ein guter tag zum sterben...dann fühle ich in mir einen frieden, der mir die gewissheit gibt, ich hätte alles erledigt...hätte nichts
mehr in meinem leben zu tun...so, als ob ein zug in den bahnhof einrollt...ziel erreicht.
es gibt eine neue cd...von philipp poisel..."wo fängt dein himmel an"...das zweite lied, gefällt mir besonders gut...halt mich...und in diesem lied fasst philipp heimat und zuhause zusammen...ein(e)
wunder-volles lied/cd.
wir würden uns freuen, wenn du uns als freund auf deine freundesliste bringst. des weiteren hier noch ein sicher interessanter link für dich - privat und ohne kosten wenn du die werbung wegklickst -
http://claudiaweidt.de.vu
und das ist unser jimdo:
http://wettesingen.jimdo.com
alles liebe und gute,
claudia weidt-goldmann
#56
uwe(Donnerstag, 18 September 2008 17:48)
Erstmal ist es so, daß es das tatsächlich gibt, was ich seit Jahrhunderten vermißt habe. Ich erkenne ganz viel wieder. Vielleicht ein Stück Bestätigung (bestimmt ein wesentlicher Aspekt von Heimat).
Es gibt noch eine Menge anderer Bekloppter, die ihr Herz an so einen Gurkenverein verloren haben. Heute sind mir 2 Sachen passiert - nur mal so, wie präsent es ist. Während der Arbeit mußte ich zu
einer Veranstaltung ins Ebertbad, sowas wie das Schmitt-Theater in HH. Da sehe ich "meinen" Präsidenten. Der ist da Gastgeber. Der ist so alt wie ich, der ist genauso bekloppt wie ich, neben dem habe
ich in der Oberliga in Düren, Bonn oder sonst irgendeinem Kaff gestanden. Irgendwann zwinkert er mir zu - keine Worte - alles klar! Später nach der Arbeit fahre ich bei Lidl vorbei - vor mir an der
Kasse ein Mädchen, vielleicht 17, die ich sonst nur in rot-weißem Trikot und mit mindestens 7 Schals ausstaffiert kenne. Sie ist mir auch deswegen bekannt, weil sie ein so auffälliges Feuermal hat
und weil sie jedes mal hemmungslos heult und hysterisch ist, wenn wir die Hütte voll kriegen. Sie braucht dann immer Helden, die sie trösten - auch Spieler übrigens, das war früher in Oberhausen auch
so - alles ganz nah - egal. Sie lächelt mir zu an der Kasse - alles klar! Ist das verständlich, was ich meine? Heimat ist auch ein sich Wiederfinden in einer gemeinsamen Verrücktheit, in Gefühlen,
die nur ein bestimmter Kreis von Menschen zu teilen weiß - die auch nur die verstehen (nein, verstehen bestimmt nicht),die involviert sind. Ich freue mir den Arsch ab, wenn ich mich in meiner
Verrücktheit nach so langer Zeit, wo ich es meist nur denken konnte, gedeckt fühle (Geborgenheit). Der Fußball eignet sich natürlich hervorragend dafür, weil der einen ja auch abgrenzt von all den
anderen...auch ein Aspekt! Es gibt da nix Vernünftiges zu erklären - es geht nur um Gefühle, um Imaginäres, um Metaphern und um Gemeinsamkeiten völlig unterschiedlicher Menschen. Als letzte Saison
der RWO in Exxen (die Stadt, deren Namen man hier nicht nennt) 4 : 1 gewonnen hat waren viele auf dem Rückweg ganz still und erschlagen. Dann sagte einer ganz unaufgeregt im Gänsemarsch durch das
Bullenspalier: Dat wär heute `en Tach für zum Sterben, ährlich. Da ging einem eine Gänsehaut, aber auch nur denen, die wußten, was er meinte.
#55
jule(Donnerstag, 18 September 2008 17:48)
also papa...ich finds sau dumm, sich vor den menschen sozusagen "zu versecken", nur weil du deine heimat unverfälscht fühlen willst?!
warum kannst du das denn nich mit anderen zusammen teilen? nur durch kontakt zu anderen, verändert sich doch nich der rest oder?
finn: das hab ich wohl überlesen oder so...sorry^^
ja dann sind solche sachen natürlich ein teil davon.mir reichts auch schon, wenn son krasser herbsttag ist oder auch im winter wenns schneit und ich kakao trink irgendwo sitze und nachdenke oder lese
oder so.das is wie so ein ritual von mir.das mach ich oft, wenn ich grad alleine bin und wenns draußen kalt is und so.das wirds wohl sein...einfache rituale, die jeder so hat.
jule, was ich noch sagen wollte: natürlich ist es nicht ganz richtig, wenn man musik und arbeit als heimat bezeichnet. aber meine these ist ja (zumindest im moment), dass sich der heimatbegriff ein
wenig auflöst und verändert und deshalb bin ich auf er suche nach den TEILEN, die mir heimat spenden, ein heimatgefühl geben, aus denen sich dieser etwas unfassbare begriff gefühlsmäßig
zusammensetzt. und da sind so elemente nicht unwichtig, glaube ich. verstehste? erzähl doch mal von deinen teilen!
jule!
jawoll, lexikon! und danke für den hinweis mit der religion bzw. dem glauben. ich hatte ne zeitlang an einer konvertitin rumgebaggert (also, als gesprächspartnerin!). eine ehemalige rechtsnationale
frau aus der erfurter platte, die heute kopftuch trägt, überzeugte muslima ist und falafel im laden ihres mannes verkauft. leider durfte sie sich nicht mit mir unterhalten - schreibt ihr ihr glauben
vor. naja. stattdessen ein anderer beitrag zum thema glauben und gott: johannes, neuzugang in der portraitleiste da oben. reinlesen, weitersagen, kommentieren!
übrigens hat sophie ein paar tolle einträge unter dianas portrait hinterlassen. erinnerungen, gedanken und frust aus ihrer zeit als fsj-lerin. da lohnt das reinlesen und sicher auch das
mitkommentieren...
uwe, wie isn das heute? ich meine, ich kenne niemanden sonst, der so intensiv und voll dabei ist. so: jedes wochenende oder wenigstens jedes zweite im stadion, mit den massen, im jubel oder in der
trauer vereint, dann dein besonderer bezug zu diesem verein. ich als werder-fan aus der ferne bin zwar im kopf viel dabei und oft auf der werder-fan-seite, aber selten im gefühl mit anderen
vereint...
jule!
jawoll, lexikon! und danke für den hinweis mit der religion bzw. dem glauben. ich hatte ne zeitlang an einer konvertitin rumgebaggert. eine ehemalige rechtsnationale frau aus der erfurter platte, die heute kopftuch trägt, überzeugte muslima ist und falafel im laden ihres mannes verkauft. leider durfte sie sich nicht mit mir unterhalten - schreibt ihr ihr glauben vor. naja. stattdessen ein anderer beitrag zum thema glauben und gott: johannes, neuzugang in der portraitleiste da oben. reinlesen, weitersagen, kommentieren!
übrigens hat sophie ein paar tolle einträge unter dianas portrait hinterlassen. erinnerungen, gedanken und frust aus ihrer zeit als fsj-lerin. da lohnt das reinlesen und sicher auch das mitkommentieren...
uwe, wie isn das heute? ich meine, ich kenne niemanden sonst, der so intensiv und voll dabei ist. so: jedes wochenende oder wenigstens jedes zweite im stadion, mit den massen, im jubel oder in der trauer vereint, dann dein besonderer bezug zu diesem verein. ich als werder-fan aus der ferne bin zwar im kopf viel dabei und oft auf der werder-fan-seite, aber selten im gefühl mit anderen vereint...
#51
uwe(Mittwoch, 17 September 2008 19:52)
Ja, Jule, ganz bestimmt! Auf jeden Fall ist Glaube sowas wie Heimat - vielleicht aber auch, und um so mehr, als man in dieser Welt keine hat oder glaubt zu haben oder sie nicht finden kann. Spricht
auch nix dagegen.
Wovon ich jetzt spreche, ist die Heimat ganz weltlich, ganz originär, ganz primitiv und das die auf einen wirkt. Ich lasse mich immer sehr von Menschen einfangen, bezaubern usw. ,und ich versinke
darin. Das suggeriert mir ein Ankommen - ist ja auch ok. Diesmal, wo ich wieder in der Heimat bin, wirken Dinge, Schnittpunkte von Breiten- und Längengeraden oder was auch immer auf mich und ich will
das zumindest eine zeitlang unverfälscht fühlen (Antwort auf Finn), weil, ich kenn es einfach nicht. Meine allerliebste und beste Freundin ist hier am Rand des Ruhrpotts in einer Werkssiedlung
südlich von Bochum aufgewachsen. Wir waren mal da und alles hat sich verändert - es gibt die Fabrik nicht mehr und und und. Das tut der so weh. Trotzdem scheint es so, daß sie immer in der Nähe sein
will und auch immer auf der Suche nach den Resten, nach einer Affinität ist. Ich habe den Vorteil, daß Oberhausen eine große Stadt ist, in der sich viel, ganz viel verändert hat, aber ich noch alles
erkenne - selbst die Emscher stinkt noch so wie früher. Und ich erkenn die Menschen wieder - das ist in so einem Dorf anders, weil, da ist dann alles ganz schnell umgesiedelt - es wohnen dann da
Lehrer und Verwaltungsangestellte und die Alten sind weg oder ganz, ganz alt.
Ausruhn, Sonja, ja das gefällt mir, das ist auch so!
Finn: der Text ist phantastisch. So ähnlich hab ich das erlebt.
Leider war ich nicht oft mit meinen Vater im Stadion, aber es war immer wie eine Prozession - immer am Kanal lang, mit allem gebotenem Ernst, gegen so große Gegner wie Mönchengladbach, Düsseldorf
usw. Es ging um Ehre, Selbstbehauptung, Lebenszeichen. Mein Vater war der friedvollste Mensch, den man sich denken kann, auf dem Platz war er fast eine Sau. Einmal hat er sich fast mit einem aus
Herne geprügelt, weil der lauthals hinter ihm (nur) das 1 : 3 von Westfalia Herne bejubelte. Damals war ich etwa 4 - werd ich nie vergessen und ich liebte meinen Vater für seinen Mut. Er war so
aufgebracht, obwohl wir gewonnen hatten, daß er sich nochmal mit einem Mann fast geprügelt hat, der auf dem Heimweg (am Kanal) uns zu nah mit dem Fahrrad kam, sodaß wir drohten ins Wasser zu
plumpsen. Später, als wir in eine andere Stadt zogen, fieberten wir Sonntag für Sonntag auf die Radioübertragung der Spiele von Oberhausen und besonders wenn es eine Niederlage gab stapften wir
wortlos 2 Stunden durch irgendwelche Streuobstwiesen in Koblenz, manchmal hatte mein Vater feuchte Augen dabei - wir brauchten nichts zu sagen - selten war ich ihm so nah.
Reicht das fürs erste?
#50
jule(Mittwoch, 17 September 2008 12:56)
ich weiß auch nich so genau...aber für viele menschen ist ja der glaube das wichtigste überhaupt...
und ich denke, jeder glaubt ja an irgendwas...vllt nich gerade an den gott, der in der bibel beschrieben wird, aber halt etwas in der art.
das ist ja vllt so eine art heimat...dass man weiß, da is einer, der immer für einen da is oder so....vor allem für menschen, die keine familie mehr haben.
jule, das ist klasse, was du schreibst...wahrscheinlich brauchen wir aber eine definition des begriffes heimat...ein irgendwo dazugehören...eine sinnfindung...um heimat überhaupt fühlen zu
können...und das ist bei jedem menschen halt was anderes...was ist an religion für dich interessant?
ach uwe, nicht verkriechen...nur ausruhn...ein bisschen ausruhen...für´s weiterleben...
#48
jule(Dienstag, 16 September 2008 18:04)
Das deutsche Wort Heimat verweist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum. Allerdings ist die geographisch-historische Eingrenzung der Bezugsräume keine feststehende, sondern situationsbedingt
verschiebbar. Heimat kann eine Gegend oder Landschaft meinen, aber auch sich auf Dorf, Stadt, Land, Nation, Vaterland, Sprache oder Religion beziehen. Heimat bezeichnet somit keinen konkreten Ort
(Heimstätte), sondern Identifikation. Es ist die Gesamtheit der Lebensumstände, in denen ein Mensch aufwächst. Auf sie wird seine Psyche geprägt, ihnen "ist er gewachsen". Als Gegenüber der Fremde
wird Heimat im utopischen Sinne auch als der erst noch herzustellende Ort in einer Welt jenseits der Entfremdung verstanden, dies gilt insbesondere für Erfahrungen des Exils.
ausm internet^^
dachte, ich guck mal, was andere darüber denken^^
ich find religion ganz interessant !
#47
jule(Dienstag, 16 September 2008 17:48)
irgendwie find ichs komisch, seine musik oder sein sport oder seine arbeit als heimat zu bezeichnen...
klar kann man mit den dingen, abstand zur außenwelt nehmen und so...
aber das als heimat zu bezeichnen find ich echt seltsam^^
für mich sind das hobbies. sachen, die einem spaß machen. einem helfen, seine aggressionen loszuwerden, seinen gedanken freien lauf zu lassen, kreativ zu sein..usw
was is daran heimat?!-versteh ich nich wirklich.
also ich kenn mich ja da nicht so gut aus mit fussball aber wenn ne meisterschaft ist, dann gehn hier in der verwaltung auch die mails rum. 10 euro einsatz, spielplan in der zentrale abholen! und
jeden morgen ist dann treffpunkt:zentrale und es wird diskutiert und angepflaumt...hallo, da geht so richtig die post ab und da machen sogar wir frauen mit...ein kollege identifiziert sich besonders
mit "seiner" mannschaft...er sitzt morgens ganz zerknittert am pc und sagt:"shit, haben "wir" gestern wieder verloren...!" und ist fast am weinen...was ist das für`n gefühl, bei euch männern????
erklärt mir das, ich kannst nicht verstehen.
noch was, uwe:
weil dus schon ein paar mal hast anklingen lassen: fußball. ich würd mir nen kleinen exkurs wünschen- fußball als heimat. stadion als temporäres zuhause. wollen wir da mal ping-pong spielen? dieses
fiebern auf das wochenende hin? das gefühl nach dem spiel, diese sicherheit, zumindest so lange die saison läuft?
mal als einstieg, was ich gestern nacht gelesen habe: (von philippe dubath)
"ich glaube, alles begann an einem novemberabend ende der fünfziger jahre. ich war ungefähr sieben jahre alt. mein vater nahm mich zum ersten mal mit ins stadion unserer stadt. er hatte einen
2cv-lieferwagen unter den krummen bäumen an der friedhofsmauer abgestellt, hinter der tante jeanne ruhte und wo es von wilden kaninchen nur so wimmelte, den heimlichen bewohnern der stummen welt aus
marmor. wir liefen los, er vorneweg, ich hinterher. wir sprachen nur wenig. wir spürten, witterten uns eher. wir wusste, dass der andere da war, mehr brauchten wir nicht. links von uns hingen
nebelfetzen über einem fluss. mein vater produzierte seinen eigenen duklen nebel aus blauen gauloises ohne filter. wenn ich ein paar schritte zurückblieb, wiesen mir seine hustenanfälle den weg. ich
hätte bis zum morgengrauen so weiterlaufen können, mit seinem beißenden rauch in der nase, ohne mich zu beklagen, denn ich war bei ihm und zusammen würden wir igendwohin gehen, wo ich nie gewesen
war.
am anfang waren wir fast allein. dann holten uns andere gestalten ein, unendlich viel größer als ich. laute stimmen umgaben uns, stimmen von männern, die bis zum haaransatz in ihre mäntel gehüllt
waren. eine mächtige und entschlossene menge zog uns, schubste uns, trug uns zu unserem ziel. als uns die stadionscheinwerfer willkommen hießen, konnte ich endlich die blicke dieser eiligen männer
erkennen. außer bei den sonntäglichen hochämtern hatte ich noch nie so viele menschen um mich herum gesehen. an diesem abend roch es nicht nach weihrauch, sondern nach gegrillten würsten. ich kam
nicht dazu, darum zu bitten, da verbrannte es mir schon die finger.
ich erinnere mich nicht mehr an alle einzelheiten dieser eisigen nacht.
aber wenn ich heute die augen schließe, höre ich das tosen des stadions.
tosen. ich kenne dieses sympathische wort seit jenem abend. mein vater erklärte mir gern den sinn der wörter. er sagte: 'hörst du die vielen schreie, die aufsteigen und anschwellen, um zu einer
einzigen stimme zu werden? das ist wie das tosen des meeres.' so war er, meist schweigsam, dann wieder nicht zu bremsen, bis er einem auf die nerven ging mit all den einzelheiten, die ihm am herzen
lagen. manchml, fürchte ich, bin ich ihm ähnlich.
ich verliere mich sehr gern in der erinnerung an diesen tag. ich schließe die augen, höre das tosen und spüre an meinen wangen, auf meinem rücken und auch an den händen den rauen stoff von vaters
mantel. auf der stadiontribüne hatte er ihn geöffnet, wie ein vogel seine flügel, und ihn um mich gelegt. aus meinem nach kaltem tabak riechenden lodeniglu blickte ich auf zwei welten. die andere,
die ferne, schlief jenseits der tribünen in der nacht. die hiesige, im stadion, brodelte.
ja, jenseits des stadions war die welt schwarz. eigentlich gab es gar keine andere welt mehr. es gab nur noch dieses blassgrüne, verwaschen grüne, wintergrüne rechteck; den winzigen, leuchtenden
ball; die muskulösen fußballspieler mit ihren glänzenden beinen, die rannten, einander auswichen, zusammenprallten; die zuschauer um mich herum, die rauchten und laut sprachen oder auf ihre
ertarrten, ineinander verschränkten hände bliesen; das geschrei und die kälte und die nacht und meinen vater. und mich, für hundert jahre gewärmt."
aber hallo! musik!
ich wollte ja nicht gleich mein ganzes pulver verschießen... aber der hinweis findet sich ja auch gleich im text auf der startseite. mit meiner musik kann ich mich immer und überall gegen alles
abschirmen, mir ne kleine glocke bauen. ob ich im zug sitze zwischen lärmenden, gackernden prosecco trinkenden hausfrauenschaften oder in einem café neben yuppies oder in der sprichwörtlichen fremde
und nicht genau weiß, wie es mir grad geht: ich lege ein paar songs in mein ohr und vor mir flimmern erinnerungsfilme, kommen gefühle, kommt sicherheit oder wenigstens ein kleiner eigener kosmos, der
mir den platz gibt, mich und meine gedanken auszubreiten, wenn mir das wuselige drumherum grad zu sehr auf die nerven geht.
aber gesine, was macht denn das emsland so unerträglich. warum kommst du nicht rein? trotz musik?
uwe, das verstehe ich nicht ganz: warum büßt du möglicherweise heimatgefühl ein, wenn du dich den menschen öffnest, die dir doch eigentlich schlicht ein paar gramm sympathischer sind? weil du sie
dann kennen lernen würdest und sehen müsstest, dass dein plus an gnade eigentlich nicht gerechtfertigt ist, oder wie? bist doch eigentlich keiner, der sich irgendwelche illusionen erhalten will. oder
doch?
ich hab mal noch nen einwurf, der für mich ganz zentral ist: arbeit als heimat. beschäftigung. ich glaube, ich kann vor allem deshalb so mobil sein, weil meine arbeit mobil sein kann (nicht immer
ist, aber meistens sein kann) und weil ich fast überall sitzen und schreiben kann und mir damit überall etwas bauen kann, das nur mir gehört, wo ich zu mir finde, zu meinen gedanken und themen und
ideen.
wie geht euch das? ist arbeit nicht auch ganz heimat stiftend oder kann es wenigstens sein. manchmal?
#43
Gesine(Montag, 15 September 2008 20:08)
He ihr alle, die ihr mich seit Tagen und Wochen mit Lese-und Grübelstoff versorgt- danke! Finn, wie gut dass du das hier machst- wegen der schönen und eindrucksvollen (warum nur verursacht das Wort
"intensiv" bei mir Juckreiz unterm Fußnagel? Aber eigentlich passt es hier super!) Porträts und aber eben auch wegen der tollen Plattform hier so. Ich hab auch noch ne Heimatidee. Ich denke erstens,
die kommen einem besonders, wenn man sich gerade "weggeschickt" oder sonstwie heimatsuchend fühlt. Ich sitz mein Referendariat im Emsland ab und warte nach 17 Monaten immer noch darauf endlich wieder
weg zu dürfen. Ich fühl mich hier sowas von ungemein absolut völlig verkehrt. Und das obwohl mein Liebster mich großartigerweise begleitet hat und wir das hier zusammen durchstehen!
Aber jedenfalls die Heimat Nummer eins in diesem irdschen Jammertal: MUSIK! Ben Folds auf die Ohren und schlendern und immer mal singen und dann mal sich freuen und ein bisschen heulen gehört auch
dazu. Und dann sind da all die Momente bei denen eben diese Musik auch dabei war und die man plötzlich wieder fühlt- traurige und schöne, aber sie gehören eben so zu einem, dass sie ein Stück Heimat
sind. Und es muss ja nicht Ben Folds sein. Aber manchmal ist er es eben.
#42
uwe(Sonntag, 14 September 2008 22:57)
Ich kann das verstehen, was Du sagst, Sonja, und es ist ein schönes Bild, das es auch hin und wieder gibt. Aber Heimat ist eben, finde ich, nicht einfach der liebende Mutterschoß, in den man sich
verkriechen kann, wenn nix mehr geht. Deinen ersten Satz finde ich schön - so ist es mir gegangen vor nicht langer Zeit. Meine Heimat vermittelt mir mit all ihren Bestandteilen eine Geborgenheit, die
ich woanders nicht habe. Da ist die spezielle Sprache, Gebäude, Gerüche auch usw. und das erinnert mich daran, gerade wenn es einem nicht gut geht, dass man vielleicht weniger alleine ist, als das
man es glaubt zu sein. Ich kann es noch nicht in bessere Worte fassen. Es gibt so etwas wie Gnade, hört sich schwülstig an, ich weiß. Aber ich merke, dass auch ich selbst hier gnädiger bin, mag sein,
dass ich hier auch noch mehr mitfühlend sein kann als woanders. Kann auch sein, dass ich mehr auf solche Dinge anspreche, weil ich nicht nach Hause gekommen bin - ich kenne hier nach so langer Zeit
niemanden mehr. Fast vermute ich - will ich mich noch gar nicht zu sehr auf einzelne Menschen einlassen, weil ich dann ein Stück dieses neu entdeckten Heimatgefühls einzubüßen drohe. Bin aber nicht
sicher. Ich habe mich immer sehr mit Menschen beschäftigt, das ist meine Profession sozusagen, das verliere ich auch nicht. Heimat erlebe ich hier anders, als ich es mir vorgestellt habe -
unabhängiger.
ich hab mal irgendwo gelesen, wenn du nicht weißt wo du hingehen sollst, dann schau zurück, wo du hergekommen bist! ich kann es bei uwe sehen und ich hab es selbst erlebt...dieses so genommen werden
wie man ist...liebe...geliebt werden mit all seinen fehlern (fehler haben und machen wir alle) und diese bedingungslose liebe gibt und gab mir soviel kraft, dass ich immer wieder von neuem angefangen
hab und mut hatte andere wege auszuprobieren. und so ist es bei meinem bruder, er weiß, dass ich ihn liebe, so wie er ist als alki und das gibt ihm kraft und mut für einen neuen entzug, weil er weiß
auch wenn er es nicht schaffen sollte, da ist trotzdem jemand, der zu ihm hält und ihn sein eigenes leben leben lässt, ihm nicht die verantwortung nimmt-für sein eigenes leben. dabei spielt auch die
liebe zu sich selbst eine ganz große rolle...in der bibel steht, liebe deinen nächsten wie dich selbst...es steht nicht, liebe nur deinen nächsten...sich selber liebe schenken, das ist auch heimat.
ha! super!
na, du hast doch voll bezug genommen, ulrike! auf uwe, auf niklas. und vor allem ist es jetzt sehr viel weniger abstrakt geworden. das baum-bild leuchtet sehr ein. man teilt viel mehr als nur die
worte mit den menschen aus der jeweiligen heimat, nämlich auch deren dahinterliegende welten. das ist wahr.
und knochen waschen. ein irre redewendung! magst du da noch ein bisschen erzählen? von den aussiedlern? auf die wollte ich nämlich auch zu sprechen kommen, hab neulich einen kleinen bericht im
fernsehen gesehen - über den verbund der vertriebenen. ist ja ein gruseliger haufen überwiegend, aber die leiden auf jeden fall sehr, dass sie den ort ihrer heimat verloren haben oder zumindest das
gefühl haben. wie geht das den russlanddeutschen?
JULE! nein, hab keine sms bekommen! schickste mir mal ne mail?
#39
jule(Sonntag, 14 September 2008 20:27)
ach finn...
^^ is ein smiley.ich weiß gar nicht genau, was der für eine bedeutung hat eig...benutzen alle jugendlichen, die hier in meinem kaff wohnen. entweder nach sachen, die man lustig finden, peinlich sind
oder wird einfach wie ein grinse-smiley verwendet!
hm...ich meine im sinne von frei sein eher, dass man als kind so unbeschwerrt leben kann. sich noch keine gedanken darüber machen zu müssen, was man in 5 jahren machen muss und auf eigenen beinen
stehen muss. oder was weiß ich...da hat man noch kein liebeskummer, kein druck wegen schule oder arbeit oder so. man kapiert noch garnich so richtig, was um einen herum alles passiert und was alles
schlecht is. man is halt noch "befreit" von der ganzen kacke ^^.apropos kacke...is ja klar, dass hier irgendwo dieses wort fallen muss, wenn du und papa zusammen irgendwo seid.
und nein ich meine nich die "freiheit" der kindheit als ort der heimat! sondern einfach nur, dass ich mich persönlich zumindest nur an den orten heimisch fühle, wo ich als kind gelebt habe.eben wegen
diesen erinnerungen und der vertrautheit und einfach wieder dieses gefühl von der unbeschwertheit des kinseins zu haben...
hast du eig gestern meine sms bekommen?
#38
Ulrike(Sonntag, 14 September 2008 19:59)
Hallo, ich will auch mitmachen! Ich beziehe mich jetzt erst mal nicht auf Euch anderen, werde es aber sicher später mal tun. Einer meiner vielen Gedanken zum Thema Heimat ist, dass für mich Heimat
ganz viel mit Sprache zu tun hat. Heimatsprache, eben die Sprache, in der ich Zuhause bin, die ich mit anderen teile. Ein schönes Beispiel dazu:wenn ich/andere vom "Tratschen" rede, dann meinen
Menschen in diesem Land ganz Ähnliches damit wie ich. "Tratschen" hat etwas von hinten rum, schecht reden von,in der Art wie Krähen, die hacken mit diesem aufgeregten, fiesen Beigeschmak, oft mit
einem immer gleichen Blick .... Tratschen liegt nahe bei "geifern".
Ich habe beruflich länger mit Leuten zu tun gehabt, die wir "Aussiedler/Russlanddeutsche ..." nennen. I.d.R. haben sie also bis zu ihrer Ausreise russisch gesprochen und i.d.R. sind sie in der
russischen Sprache beheimat. "Tratschen" heißt bei ihnen "Knochen waschen" (übersetzt). Das ist ein ganz anderes Bild, vielleicht auch eine andere Absicht, vielleicht: "bis auf die Knochen ausziehen
"?In einer Sprache nicht beheimatet zu sein heißt, wie man an diesem Beispiel merkt, nicht die dahinerliegenden Bilder, aber auch nicht die Zusammenhänge, Absichten, Emotionen, vielleicht aber auch
Regeln zu kennen.
Wenn ein eingewanderter Mensch (oder ich als ausgewanderter Mensch) nur das Wort Baum kennt, kann er damit nicht ausdrücken, welcher Baum es ist, wie er riecht, wie er sich anhört, wenn der Wind
durch ihn durchgeht,wie er im Herbst nervt, wenn so viele Blätter abfallen ... Sicherlich weiß das auch nicht jeder im gleichen Sprachraum beheimatete, aber in aller Regel hat er mehr Bilder parat
als das Wort"Baum" ausdrückt (Tanne, Kastanie,Kiefer,Birke..).
Wenn alles einigermaßen gut gelaufen ist als Kind, beim Heranwachsen, dann verbindet der Mensch int seiner Muttersprache mit den Worten , Sätzen,Redewendungen ...viele Bilder, viele Emotionen, viel
Grundkonsens einer Gesellschaft, die ihm auch Sicherheit geben in der Kommunikation mit anderen.
Viele Mißverständnisse sind somit ausgeschlossen, die bei Menschen verschiedener Sprachen zumindest mehr Erklärung, Verstehen und Auseinandersetzng erfordern.
Bis demnächst!
jule! danke! und danke fürs mitmachen und auf-der-seite-sein!
verstehe ich dich richtig? kindheit als heimat? die freiheit der kindheit als 'ort' der heimat? warum fühlst du dich heute denn nicht frei? was macht dich unfrei? willst du frei sein? geht das
überhaupt?
(und ne kleine frage noch von deinem großen, dummen bruder: was heißtn ^^ eigentlich?)
lest mal sonjas blog-kommentar (links unten)! das istn interessantes fass eigentlich!
uwe: heimat also als aufgabe, ja? finde ich nen sehr guten gedanken. bisher gings immer darum, was die heimat einem gibt, was sie mit einem macht. aber natürlich muss man die frage auch in die andere
richtung denken: was mache ich mit meiner heimat? (ha! frage nicht, was dein land für dich tun kann, sondern was du für dein land tun kannst) ich bin eigentlich nicht schicksalsgläubig, aber
vielleicht glaube ich doch daran, dass man im leben bestimmte themen und aufgaben bekommt, mit denen man umgehen, an denen man sich abarbeiten muss. und da gehört die heimat sicherlich dazu. also,
uwe, heimat ist keine wahl. aber heimat ist wohl auch kein zufall, oder? und heimat ist dann eben auch eine pflicht, eine verpflichtung. heimat als aufgabe.
sonja, inwiefern gibt dir die heimat die kraft zum neuanfang? das verstehe ich noch nicht ganz... wie funktioniert das?
julia - EIGENTLICH ja. schick rüber!
und niklas (hej! schön, dass du da bist, auf der seite!)- kulturraum als heimat. darüber haben wir uns hier noch gar nicht so richtig ausgelassen. sprache, schrift, geschichte, normen in einem
größeren rahmen. natürlich ist das auch heimat. aber recht abstrakt, oder? ich glaube, ich könnte auch nicht weg hier, aus deutschland, oder ich würde zumindest immer irgendwie hier bleiben. mit dem
kopf, mit meinem mich-in-die-welt-stellen. als ich in der elften klasse in frankreich war, habe ich alles immer nur in bezug zu deutschland gesehen. im kopf war ich immer "zuhause", habe immer
abgeglichen, verglichen, übereinander gelegt.
und jetzt noch ein gedanke zu matthias. humor als heimat. stelle ich immer wieder fest: über den humor findet man sich rein. mit wem man lachen kann, dem ist man nah. und wenn du irgendwo bist, wo
keiner über deine witze lacht oder du sie nicht mal erzählen kannst oder nicht mal zeigen, wo dein humor einfach nicht verstanden wird, nicht witzig ist, da kannst du nicht zu hause sein. oder?
Mir hat vor zwei Jahren ein afghanischer Taxifahrer, der während des Bürgerkrieges in den 80ern nach Hamburg geflohen ist, erzählt, dass er damals seine Heimat verloren hat. Er hat keine mehr. Auch
nach langer Zeit in Deutschland fühlt er sich zwar in Hamburg zu Hause, aber nicht beheimatet. Und in Afghanistan fühlt er sich auch fremd, weil sich dort so viel verändert hat und er sich selbst in
der Fremde natürlich auch verändert hat.
Er wurde mehr oder weniger dazu gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Wie steht es aber mit dem Menschen, der sich frei dazu entscheidet, im großen Stil mobil zu sein? Ich glaube, für so einen
Menschen ist es wichtig, die Heimat im Herzen zu tragen. Der gegenwärtige Ort ist dann sekundär.
Heimat, für mich sind das alle Menschen, denen ich begegnet bin, alle Erfahrungen, die ich gemacht habe, alle Orte, an denen ich war, alle Tätigkeiten, die ich ausgeübt habe. Wie eine Schnecke ihr
Haus trage ich meine gesamte Vergangenheit im Herzen mit, egal, wo ich mich befinde. Und diese Vergangenheit ist meine Heimat.
Rafael Seligmann, deutsch-israelischer Schriftsteller, meinte mal, für ihn sei seine Heimat die deutsche Sprache. Das klingt auch nach huckepack.
#35
Julia(Sonntag, 14 September 2008 13:01)
Fertig produziert, so richtig schwarz auf weiß, Times-New-Roman-Schriftgröße-12-mäßig? Ne, das eigentlich nicht, eigentlich ist alles eine Baustelle in meinem Kopf, schade eigentlich. Eigentlich
könnte man diesen miesen Sonntag dazu nutzen ein paar Zeilen zu tippen...Eigentlich kann ich aufhören ständig eigentlich zu schreiben und es einfach versuchen und dir zumailen. Zusammen mit dem
"Kühe-und-Schafe-blockieren-die-Straße-Bild"
geburtstagsfeier...hab ich heute auch-mama wird 86...fast alle sind da...wegen dem alter, man weiß ja nie-wie lange noch. schwester aus indien, tante und onkel aus westphalen, neffe und frau mit
frisch geborenem baby aus göttingen...nur mein bruder fehlt aus berlin...alkoholiker...12 jahre trocken-jetzt rückfall...war im krankenhaus und wartet auf nen platz zum entzug-wartezeit in berlin ist
"normal"-alles voll...wir werden mit ihm verbunden sein, per telefon und werden ihm sagen, dass er fehlt, wir ihn vermissen...sein lautes lachen und seinen manchmal bitteren humor...werden ihm sagen,
dass wir ihn lieben...heimat...sie gibt uns kraft, immer wieder neu anzufangen-egal wie oft und wie tief man in der scheiße steckt.
#33
uwe(Samstag, 13 September 2008 15:59)
Noch ein Aspekt von Heimat: Jule, Du hast mich darauf gebracht. Das ist nicht da, wo man sich wohl fühlt. Das hat wirklich viel mit Vergangenheit zu tun. Ich könnte kaum aus Deutschland auswandern,
weil ich immer denken würde, ich krieg nicht alles mit - man kann eine Sprache noch so gut können. Heimat ist keine Wahl! Man will weg und kann auch seine Heimat hassen - oder zumindest Teile davon.
Trotzdem ist das, da wo man herkommt unumstößlich definiert, und das gibt Sicherheit. Gibt Heimat Sicherheit? Vielleicht ist es das! Das mit Nussbaum, Finn, ist etwas, das mir sehr nahe ist. Ich
liebe Deutschland (mag es kaum aussprechen) und finde es widerlich. Aber, ich bin von hier und habe alles zu tragen - alles! Und alles ist in mir! Ich bin hier sicher auf tausendfache Weise - ich muß
das nicht gut finden, es ist eben so! Ich sehe hier in kleinen Dingen noch soviel Auschwitz - Mentalität, auch ein Grund, warum ich das Gefühl habe, dass ich hier gebraucht werde, weil ich mich in
dieser Heimat zu positionieren habe - und ich "verkrieche" mich in dem Vertrautestem, was ich habe: Deutschland, nochmal runterreduziert auf den Nabel der Welt: Oberhausen. Ich habe keine Wahl, und
ich beobachte, wie die Menschen damit umgehen, dass wir, Rot-Weiß schon wieder verloren haben, gestern abend, und das auf eigenem Platz! Und nur hier kann ich verstehen und vollends nachvollziehen,
wie das ist. Nirgendwo anders. So ist das - und es ist nicht zu ändern.
Finn, ich habe nach dem Wetter gesucht, an dem zu geboren bist - Deine Mutter wird sich kaum erinnern, denke ich, es war so ein Tag, der sehr herbstlich war mit der Gnade des Sommers - mild und
sonnig und diesig, so Tage, auf die man im September hofft in diesem Land - mit einer gewissen Wehmut. Neulich gab es so einen - und ich habe an Dich gedacht. Dieser Tag ist hier gar nicht so am
Morgen - aber er entwickelt sich langsam in diese Richtung. Auch deswegen denke ich an Dich. Jule, ich glaube nicht, dass Du ausnahmsweise meiner Meinung bist! Du freche Göre!
#32
jule(Samstag, 13 September 2008 09:58)
erstmal alles gute bruderherz =)
hm...ich glaube, ich bin außnahmsweise mal der gleichen meinung von papa (uwe^^). zweibrücken ist zwar mein zu hause, aber meine heimat ist was anderes. allerdings ist das bei mir nicht nur ein
ort...(wegen umzüge und so) aber ich denke, die kindheit prägt einen ja sowieso am meißten. und wenn man dann wieder an diese orte kommt, wo man mal als kleines kind gelebt hat, dann kommen wieder
diese gefühle hoch...so frei zu sein. wie als kleines kind eben^^ und man erinnert sich an so kleine simple dinge...zum beispiel im garten ostereier sammeln, baumhäuser bauen, sich von seinem großen
hund an der leine ziehen lassen...und noch viel mehr.umso älter man wird, umso schwieriger ist es ja auch, sich frei zu fühlen und sich über nichts gedanken machen zu müssen. und wenn man dann wieder
in seiner heimat ist, dann fühlt man sich geborgen und wie ein kleines kind beschützt und einfach gut.
hammer!
zwei tage weg und ohne internet und dann gucke ich hier rein und sehe so viele beiträge! schön manche, traurig andere, präzise oder abstrakt.
ich glaub übrigens, dass es wirklich sinn macht, heimat und zuhause zu unterscheiden. das ist ziemlich guter hinweis. oder nicht?
und julia! klingt sehr spannend, was du da schreibst. falls du da irgendwann mal was fertig produziert haben solltest und es vielleicht zeigen magst- vielleicht wärs ja was für diese seite, also für
den "mitmach-bereich". könntest du mir ja vielleicht zeigen, wenn du magst, und wir überlegen, ob und wie wirs auf die seite bringen...
ich war nach der preisverleihung in osnabrück übrigens noch im felix nussbaum - haus. und das war - puh - wirklich eindrücklich. ein enormer bau, ein unglaubliches werk und alles so klug ineinander
versponnen. man läuft durch dieses haus, das für die unterschiedlichen schaffens- und lebensphasen immer kluge, eigene räume und ecken geschaffen hat und sieht die arbeit der jeweiligen zeit im
kontext des raumes. meine güte, das war wirklich stark. wie libeskind den bildern einen raum, eine heimat gegeben hat. nussbaums arbeit insgesamt übrigens sehr geprägt vom verlust der heimat...
irgendwo hing da ein brief von ihm, den er aus dem belgischen exil nach deutschland geschickt hat (an irgendeinen deutschen militärbund oder so, dem er ewigkeiten gedient hatte) und in dem er
schreibt, dass er selbst nach seiner vertreibung deutscher bleiben werde und zurück kommen würde, um zu kämpfen, wenn man ihn nur ließe... und dann ist er schließlich doch noch denunziert worden und
noch mit dem allerletzten zug nach auschwitz gebracht und vernichtet worden. vorher hat er als letztes bild noch einen totentanz gemalt, den triumph des todes. das wirkt gruselig, schicksalhaft. und
wenn man das bild betrachtet und dann nach unten sieht, merkt man, dass man plötzlich am abrund steht, auf einem metallgitter, unter dem es in die tiefe geht, man kann hinabsehen. so klug hab ich
einen raum noch nie mit einem werk verknüpft gesehen...
was ist das eigentlich für ne kacke(ups...da isse wieder)ich lass jetzt hier mal meinen ganzen frust ab sorry...da mach ich einmal in meinem leben bei so nem blog mit, geb ganz ahnungslos meine hp an
und werde zugeschüttet mit werbung!!! ha, so kann man sie nie finden...heimat...zugemüllt von anderen...tztztz
...ich schau mir die schöne blaue schnecke an...oben am bildrand und denke...ja, das ist es...der mittelpunkt...die heimat liegt in mir...tief verborgen, damit niemand sie mir nehmen
kann...stille...so kann ich sie finden
#27
uwe(Mittwoch, 10 September 2008 22:35)
...hier sind meine Wurzeln, ich sehe sie wenn ich durch die Straßen laufe... das gefällt mir - so verstehe ich es auch.
#26
die_anne(Mittwoch, 10 September 2008 15:51)
Manchmal bin ich traurig darüber, dass ich mich an keinem Ort mehr zu Hause fühle...fühlen kann....fühlen darf. Aber ich weiß, dass das von den Menschen abhängig ist, die mich umgeben. Derzeit passt
es einfach nicht und daher werde ich auch auf "Reisen" gehen. ich freue mich, aber ich habe auch Angst. ...davor dass ich scheitern könnte und kein "zu Hause" finde. Dennoch werde ich es riskieren,
denn was kann noch schlimmer kommen, als es derzeit ist?!
mein vater sagt, heimat ist da, wo man nach oben schaut
und sterne sieht. er ist kosmopolit, richtet sich schnell
da ein, wo er beruflich hinkommt. russland, japan, mexico.
ich mache es ihm nach. deutschland ist meine zweite heimat,
doch fühle ich mich schnell überall zuhause, wo ich mich
frei und wohl fühle.
#24
Julia(Dienstag, 09 September 2008 23:46)
Heimat war im Juni. Nach sieben Jahren wieder. Sechs tausend Kilometer von hier. Heiße, stickige Luft, karge Landschaft, das ist meine Heimat. Wir können nicht weiterfahren Kühe und Schafe blockieren
die Straße. In einem alten Haus gibt es zwei Menschen für die es sich lohnt so weit zu fahren. Meine Großeltern. Oma weint, Opa auch. Ich hätte mich kaum verändert, meinen sie. Sie leben noch genauso
wie vor 17 Jahren, nur steht im Garten eine überdimensionale Satellitenschüssel. Im Laden kennense mich, besser gesagt sie kennen meine Eltern. Die haben hier gelebt, ich auch aber nicht so lange.
Hier sind meine Wurzeln. Ich sehe sie, wenn ich durch die Straßen laufe. Ich gehe meinen Schulweg entlang. Unser altes Haus steht noch, andere Menschen wohnen da, die Tür sieht noch genauso aus. Ich
traue mich nicht anzuklopfen. Im Hausflur des Mehrfamilienhauses ist wie immer kein Licht, immer klaut einer die Glühbirnen. Mir scheint es, dass noch die gleichen Omas auf den Bänken vor den Häusern
sitzen wie vor etlichen Jahren und Sonnenblumenkerne kauen, sie grüßen. Mein Fotoapparat ist mein ständiger Begleiter. Will alles festhalten, jedes klitzekleine Dingsbums meiner alten Heimat
mitnehmen in die Neue. Zwei SD-Karten sind vollkeknipst. Oma merkt nicht wie ich sie filme als sie Essen zubereitet und erzählt, ich muss grinsen. Ich erzähl nicht, dass sie und meine Heimat bald in
meinem Rucksack, huckepack, in die andere Heimat mitkommen.
#23
uwe(Dienstag, 09 September 2008 21:12)
Ich glaube, es gibt einen Unterschied zwischen zu Hause und Heimat - ist aber sehr subjektiv. Man kann sich in der Fremde - in Bayern oder so mit liebenden Menschen zu Hause fühlen, und die Romantik
ist da wahrscheinlich nicht unerheblich - aber Heimat fühlt sich für mich doch anders an.
hallo kleines burgfräulein, was für ein weiser mensch, der das gesagt hat...nimm dir nicht die romantik...romantik im leben, ist wie das salz in der suppe...ein leben ohne romantik wird fad und
hart...romantik ist für das leben so, als wenn der wind die dichte wolkendecke aufreißt und du end-lich wieder den blauen himmel siehst...heimat
#21
Linda von der Burg(Dienstag, 09 September 2008 15:14)
Jemand mir sehr wichtiges hat mal gesagt "Heimat ist an der Seite Deines Partners, der Ort ist nicht so wichtig, nur, dass der Mensch da ist" Diese romantische Ansicht kann ich leider überhaupt nicht
teilen. Ich lebe seit mittlerweile 5 Jahren in Bayern und komm mir immer noch so vor, als wäre ich nur zu Besuch. Vielleicht liegt es daran, dass ich mittlerweile auch schon so um die 25 Mal
umgezogen bin.
Ich glaube Finn hat Recht mit Versöhnlichkeit. Wichtig aber auch, Vertraulichkeit.Du kennst den Ort, der Ort kennt Dich. Ungeschminkt. Als Kind lässt man nichts außen vor, später fällt es schwerer zu
intergrieren.
kacke...ja, vielleicht ist das ja auch heimat...kacke...jemanden für eine kurze zeit eine heimat geben...bakterien, kleinviehzeug, die da zu hause sind...für eine kurze zeit und die kacke umwandeln
in nahrhaften boden, weil die ja auch wieder kacken...sich verewigen, mit seiner kacke...hab auch gekackt...in die sahara, nur da gibt´s kein kleinviehzeug, das die kacke umwandelt, da sammeln die
menschen die kacke auf, weil sie trocknet und benutzen sie zum feuern...zum essen kochen...tja wertvolle kacke...für einen moment jemanden eine heimat geben, wie diese hp, wo man für 3 monate heimat
findet, weil man verbunden ist, verständnis findet, geborgenheit...weil man nicht mehr alleine ist...so auch in filmen oder büchern...weil man sich bestätigt fühlt, da jemand ist, dem es vielleicht
genauso geht oder ihm es genauso ergangen ist...heimat...sich in einem anderen wieder erkennen...heimat
#19
uwe(Montag, 08 September 2008 20:51)
Rot-Weiße Kacke geht ja nun mal gar nicht. Alles andere ist denkbar, aber nein, man mußte schon auf Treppenaufgänge, in aufgeschnittene Kürbisse oder sowas machen um zu zeigen, daß man ein Kerl ist -
und das schon mit 8. Da guckse!
wie kackt man denn im ruhrgebiet?
rot-weiß?
gelb-schwarz?
weiß-blau?
oder kohlschwarz?
#17
uwe(Montag, 08 September 2008 19:06)
Wie eng doch manchmal Größenwahn und Erbärmlichkeit nebeneinander liegen: Schöne, duftende Kuhfladen, breiig, eventuell mit so einer Art Haut drumherum - stinkige, hastig danebengeschissene
Angstbeerenkacke. Natürlich sind das heimatliche Metaphern einer mißglückten Kindheit. Damit wärst Du im Ruhrpott nicht durchgekommen, mein Lieber!
ja, vielleicht. vielleicht gehört dazu aber auch noch eine gewisse versöhnlichkeit. ich meine: ich möchte nie wieder in cuxhaven leben müssen. an den meisten ecken finde ich cuxhaven hässlich und
unerträglich und langweilig und wenn ich mit meinen freunden hier bin, dann können wir darüber lachen, wie wenig hier passiert und passiert ist und womit wir unsere zeit früher haben totschlagen
müssen. und trotzdem bin ich jetzt hier und mir ist dieser muff hier irgendwie sympathisch. da ist kein hass und keine verachtung, sondern eine art versöhnliche distanz. das würde wahrscheinlich
anders aussehen, wenn ich nie weg gekonnt hätte. dann könnte ich das alles nicht so auf die leichte schulter nehmen. früher konnte ich das nämlich auch nicht. da hat mich diese enge hier manchmal
kirre gemacht, die enge, die engstirnigkeit, die begrenztheit der möglichkeiten und des denkens, die begrenztheit der möglichen mitstreiter. heute geht mich das alles nicht mehr so viel an, es ist
irgendwie mehr wie ein nostalgischer ausflug in die vergangenheit, verbunden mit der sicherheit, dass das nicht meine zukunft sein muss.
gestern war ich nachts mit dem hund draußen, habe in einem verlassenen schrebergarten in meinem alten "hood" im dunkeln äpfel geklaut. und da ist mir eingefallen, dass ich das früher mit freund
spring nachmittagelang gemacht habe: wir sind durch die schrebergärten am ende unserer straße gestreift, haben uns in die hecken gedrückt, sind über die zäune gesprungen, haben johannisbeeren,
pflaumen, äpfel, erdbeeren, himbeeren, birnen und was wir klauen konnten, geklaut und in uns reingestopft. kleinstadt-thrill. obst klauen. wie agenten gut geplante aktionen durchziehen. am heißesten
war das, wenn gerade wer im garten war, ein rüstiger rentner unkraut hackte, eine bissige frau rasenkanten stach, ein kläffender köter die schnauze durch den maschendrahtzaun drückte. da waren wir
vielleicht 13 oder sogar schon 14 und eigentlich schon viel zu alt, das wussten wir ja selber. aber wir hatten nichts besseres zu tun, hier, in cuxhaven. ich weiß: wenn damals ein interessantes
mädchen vorbei gekommen wäre, wir hätten haltung angenommen und uns nichts anmerken lassen, nicht zugegeben, was wir hier für kinderspiele spielen, wären so souverän wie irgend möglich durch die
lächerlichen gärten stolziert und so getan, als hätten wir irgendwas wichtiges zu tun. jedenfalls nicht: hauptdarsteller sein in unserem schrebergarten-obstklau-actionfilm.
und später sind wir hinter die gärten, auf die felder, haben neben die kuhfladen gekackt, obstkacke. gewonnen hatte, wer braune beeren schiss. mein gott, ist das meine heimat?
oh ja uwe, da haste wirklich recht...wo man so sein darf wie man ist...ein-fach "nur" geliebt wird...da ist heimat...guts nächtle allen und schöne träume...
#14
Uwe(Sonntag, 07 September 2008)
Vielleicht gehört zum Spüren von Heimat, dass man da unbedingt weg muß, daß alles so eng wird. Das kleine Eifeldorf, der Pflaumenkuchen bei grauem Nieselregen - nur zum Wegrennen! Und dann fehlt
einem was, und man weiß nicht was. Meine Sehnsucht nach der Weite und der Freiheit ist am Rhein-Herne-Kanal entstanden, schnurgerade, schmutziges Wasser, ein Erz- oder Kohlekahn nach dem anderen,
mein Onkel Erich saß immer unter der Brücke, damit er es trocken hat beim Angeln, und es war gut, daß seine Fische sauer eingelegt waren - da fühlte man sich auf der sicheren Seite - wegen dem
Essig.
Heute sitze ich hier, Zeche Osterfeld, die längst keine mehr ist, sehe links den Schlackenberg, ohne den ich nicht leben würde, weil meine Mutter sich in ihm während des Krieges verkriechen konnte -
etwas daneben das Gasometer, Symbol der tausend- und abertausendfachen Arbeitskraft freier und Zwangsarbeiter, schon Stolz meiner Kindheit, dann etwas weiter rechts der Wasserturm -
Orientierungspunkt an der Mülheimer Straße, der einzigen Nord - Süd - Achse dieser Stadt, heute, wie damals und rechts, mein Gott, wie verheißungsvoll die Flutlichtmasten des Niederrheinstadions -
da, wo alles gut wird, wo immer Hoffnung ist.
Nicht falsch verstehen: Ich liebe Hamburg, die beste Stadt Deutschlands und Mecklenburg und..., aber hier bin ich aufgehoben, hier verzeiht man mir meine Fehler und Unzulänglichkeiten - hier bin ich
trotz alledem auf mysteriöse Weise aufgehoben - muß nichts beweisen - Heimat eben - oder ?
#13
finn(Sonntag, 07 September 2008 16:49)
oh, jetzt meinte ich natürlich nicht, dass ich pflaumenkuchen und meine mutter nicht mag. also nur, um das klarzustellen!
#12
finn(Sonntag, 07 September 2008 16:48)
heute wieder heimat gefühlt: im sich langsam anschleichenden herbst pflaumenkuchen von mama gegessen. vor dem fenster dazu nieselregen und grau. ich weiß nicht, wie oft es das schon gab in meinem
leben. vielleicht ist heimat auch das schon so oft erlebte. ob schön oder nicht. man muss seine heimat ja nicht notwendigerweise mögen.
#11
Björn(Sonntag, 07 September 2008 10:40)
Wo ist Heimat? Ich weiß noch nicht, wo meine Heimat sein wird. Vor dem Abi war die Frage klar, mein kleines Dorf in der Eifel. Dann habe ich einen einjährigen Freiwilligendienst in Ostpolen
absolviert, als einziger Ausländer. Nach zwei Jahren Studium in Saarbrücken, fange ich in drei Wochen in Warschau an zu studieren. Im Moment bin ich seit langen nochmal für drei Wochen in der Eifel,
aber meine Heimat ist mir fremd geworden, oder ich ihr? Zu Hause gefühlt habe ich mich das letzte mal in Saarbrücken und im August in Warschau... Ich bin gespannt, wo mein nächstes zu Hause sein
wird.
#10
sonja(Samstag, 06 September 2008 22:10)
hab lang gesucht und nie gefunden, doch ich fühle heimat, wenn ich im gras liege und die sonne mich wärmt, ich in der wüste auf dem grad einer 400m hohen düne sitze und ins nichts schaue, ich die
sterne und die mondfurchen zähle, im wasser liege und mich treiben lasse, meine zunge den regen schmeckt, blütenduft mich einlullt, nebel meine haut streichelt, meine augen blutrot die sonne
untergehen sehn...dann fühle ich heimat...dann bin ich...und muss nicht sein
Heimat im Internet kann ich nachvollziehen. Ich war ein halbes Jahr in Japan. Als einzige Europäerin (von zwei versoffenen unreifen Briten abgesehen) an der Uni. Ein Exotenfach- Textilkunst. Ein
Exotin- groß, lange Locken. Eine Erfahrung für mich-ohne Telefon, Kommunikation mit der Heimat nur ab und an. Mit dem Versuch den daheimgebliebenen meine Erfahrungen mitteilen zu können fing ich an
Blog zu schreiben. Hätte niemals vorher gedacht das jemals zu machen. War aber gut. Wie ein zweites Mal Tagebuch schreiben. Das Stauenen nicht verlernen, wenn alles nach einer gewissen Zeit
selbstverständlich zu werden scheint. Fotos aussuchen und einfach die Festplatte im Hirn freibekommen für neue Eindrücke.
Jetzt ist es ein Jahr her, dass ich losgefahren bin und ein halbes seit ich wieder da bin. Ich lese meinen Blog gerade selber wieder- war das ich? war das Heimat? ist es immer noch Heimat, dieses
Japan, das da so weit weg ist? Heimat an vielen Orten, und eben ein bisschen auch auf meinem Blog.
Viel Spass noch bei dem Projekt!
warum nicht auch noch fotograf werden finn warum nicht und vielleicht auch noch zeichner wenn du das mit dem bleistift zeichnen kannst was deine kamera sieht und dein text spricht warum nicht
Sehr schön, gute Idee! Dabei ist die Sache mit der Heimat gar kein Geheimnis: Als ich mich endlich in Oberhausen-Osterfeld, im alten Rathaus, nach gut 35 Jahren wieder anmeldete, bemerkte eine der
doch auffällig adipösen Damen fast gelangweilt und voller Wissen: Ja, erst gehnse und dann kommense doch alle wieder. Und gerade heute flirtete ich intensiv mit einer 89jährigen Frau bei mir im
Hinterhof, den ich gerade "renaturiere", wie es heute heißt - und die freut sich so sehr, daß ich endlich diese Scheißgaragen wegmache, und jetzt alles grün ist. Sie kam mit Hilfe in den Hof, um es
genauer zu "sehen", die Augen macht ihr keiner mehr in dem Alter! Und wir spürten die gleiche Liebe zu diesem Malochermoloch, der jetzt so grün wird. Ja,ja, sagte sie, irgendwie ruft die Heimat.
Boah, eine tolle Frau, vor allem, weil sie meint, ich sei erst gerade trocken hinter den Ohren. Bin nicht sicher, ob sie recht hat.
#5
heydi(Dienstag, 02 September 2008 11:57)
Fein, fein lieber Finn...
heydi
#4
indi(Montag, 01 September 2008 22:43)
ha...alter schwede...hamma...das ist doch mal was richtig gutes...soviele wahre worte...mein herz berührt...weiter so!
Linda von der Burg(Donnerstag, 28 August 2008 01:45)
Hey Finn,
1A Idee. Wirklich ne gute Sache.Auch, die Menschen in ihrem eigenen Ton erzählen zu lassen.
Du musst echt Hummeln haben, bei der vielen Rumreiserei...
[Momentchen, ich mach mal das Fenster zu, es zieht uff der Burg]
Wie gerätst Du an all die Leute?
Ein komplettes Dorf, das wärs doch mal...;)Okay, ja ich weiß die Zeit reicht nicht. Immer die Zeit.
Viel Erfolg und viel Spaß beim Geschichtensammeln.
Ich bleib dran,
Linda
(Diskussion geschlossen)
Michael (Freitag, 25 Juni 2010 08:27)
Hallo, mir hat Deine Webseite sehr gefallen, auf die ich heute durch Zufall gekommen bin. Du hast Dir sehr viel Mühe gegeben! Freue mich natürlich immer auch auf einen Gegenbesuch bei mir. Auf meinen Reiseseiten berichte ich u.a. über meine wunderschönen Reisen nach Australien, Neuseeland, Thailand und in die USA, über meine interessanten Arbeitserfahrungen in England und Irland sowie über meine albtraumhaften Erfahrungen in einem Krankenhaus in Graz. Weiterhin viel Erfolg mit Deiner Seite wünscht Dir Michael!
http://www.michaels-reisetagebuch.de
sonja (Mittwoch, 11 Februar 2009 11:23)
ich war am 06.02. bei der lesung von finn und andreas stichmann in hildesheim...sie hat mir gut gefallen, war abwechslungsreich durch die kurzfilme und den "gastleser" (hab den namen vergessen, kann mir namen schlecht merken...)die geschichte von dem heimjungen war bemerkenswert, hat sie mir doch mal wieder gezeigt, dass das was man selbst bekommt meist unüberlegt an andere weiter gibt. aber am aller schönsten, war die geschichte vom "gras wiegen" von andreas, ich hätte noch stundenlang zuhören können...insgesamt alles viiiiieeel zu kurz :-)
und wo seit ihr alle? keiner mehr lust zu schreiben? find ich schade :-(
sonja (Mittwoch, 28 Januar 2009 18:48)
ja, die sehnsucht war es, die mich an den haaren aus dem sumpf meiner alten heimat heraus gezogen hat und mich auf einen gipfel setzte...von dort oben konnte ich in alle richtungen blicken und suchte mir dann eine neue heimat aus...eine zu mir passende heimat
uwe (Montag, 12 Januar 2009 19:14)
Finde ich sehr gut - diesen Perspektivwechsel im Bezug auf Hängen. Es gibt jedoch diesen Unterschied zwischen aktiv und passiv. Im Bezug auf Heimat ist das eben selten ein aktiver Akt, sich hin zu hängen. Zunächst einmal ist man irgendwo hingehängt worden. Man hat die Wahl nicht.
Ich hatte die Chance in einer bestimmten Lebenssituation, mich bewußt meiner Heimat zuzuwenden - hat nicht jeder. Und ich versuche, daß so aufmerksam wie möglich zu beobachten.
Ich muß an meinen jüngeren Sohn denken, der für mich der Inbegriff eines Landeis ist. Der ist in einer ungeheuren Intensität mit dem Landleben, der Natur die ersten Jahre seines Lebens aufgewachsen. Der kam jeden Baum hoch, kein Weg war zu weit, kein Loch zu tief, der hatte einen ganz eigenen Zugang zur Welt. Ich habe ihn bewundert. Jeder Tag war in den ersten Jahren Auseinandersetzung mit dem Leben um ihn herum. Er ist ungeheuer stark geworden, obwohl er der schwächlichste meiner Kinder war. Er kann sich kaum oder gar nicht an diese Zeit erinnern. Ich finde das richtig traurig. Aber all das steckt in ihm, und ich spüre, daß er diese Verbindung - dieses spezielle aufgehängt Sein instinktiv sucht - immer noch da ist. Wir alle haben ihn bewundert für den Zugang zur Natur, den der Kleine sich in seiner kleinen Welt angeeignet hatte, Finn, Du erinnerst Dich! Heißt, er hat eine Heimat, die er wahrscheinlich gar nicht definieren kann, weil er sich zum Großteil nicht erinnert. Aber er hat eine Sehnsucht, die ihn antreibt und prägt, und der er irgendwie in seinem Leben genügen muß.
Heimat ist oft der Ursprung von Sehnsucht!
Beate (Sonntag, 11 Januar 2009 14:03)
Noch ein Kommentar zum 100. Eintrag, dieses mal von Finns Mutter Beate:
„Heimat ist da, wo man sich aufhängt“ – komisch, dass jeder (auch ich zunächst) dabei nur an die Version der Selbsttötung denkt. Manchmal denke ich, kluge, provokante Autoren, Maler…. sagen kluge Sätze, malen Bilder von großer Bedeutung, ohne im Moment der „Schöpfung“ selbst den großen Wurf zu bemerken. Der Umgang der Leser, der Bildbetrachter, ihr Zugang und ihre Interpretation schafft (wenn’s gut geht) „Welten“, die weit über das geschriebene Wort … hinausweisen.
Finn, Du hast mir mal erzählt, dass Du es besonders magst, wenn und wie Menschen Deine Texte interpretieren, welche Gedanken sie bei ihnen auslösen und dass genau das ein Teil Deiner eigenen Auseinandersetzung ist und wird.
Nun zu dem Bernhardt Zitat: ich finde, dieser Satz hat einen doppelten Boden. Es war mein Schwager, der Weihnachten, als wir darüber redeten, fragte: „Wie, wo aufhängen?“ -????- an der Wand, am Haken,..?
Wenn ich diesen Satz so lese, dann hat er auch (noch)eine andere Bedeutung:
Heimat ist da, wo ich hänge, wo mein Leben beginnt, wo ich zunächst aufgehängt bin, dann auch vermutlich mich selbst aufhänge.
Es ist nicht egal, ob ich im Gaza-Streifen oder in Paris, in Oberhausen oder in Moskau
aufgehängt/geboren bin. Es macht einen Unterschied, ob meine Muttersprache russisch, norwegisch oder deutsch ist. Welche kulturelle, soziale und politische Erfahrung mit den Begriffen Liebe, Sehnsucht, Frieden, Hass, Feind, Freiheit ….. verbunden ist, prägt (sehr fundamental) meinen emotionalen Zugang vermutlich mein Leben lang. Was ich mit dem Wort „Wasser“ verbinde hat viel mit der Gegend zu tun, in der ich aufwachse. Kommt Wasser einfach aus der Leitung oder muss ich weit zum Wasser laufen? Gibt es Kälte in meiner Welt und muss ich mich viele Monate im Jahr warm anziehen, um nicht zu frieren? Wird der Müll eingesammelt und auf eine Deponie gekippt oder landet er auf der Strasse und bleibt dort liegen? Werde ich, wie alle anderen in meiner Umgebung von einem König regiert oder einem Tyrannen oder lebe ich in einer Demokratie? Hat meine Umgebung Angst davor, den Mund aufzumachen oder kann ich alles sagen (und keiner hört mir zu)? Gibt es in meiner Umgebung eher feste Familien mit vielen Kindern oder gibt es Großfamilien und Familienverbände, die sich gegenseitig stützen oder drangsalieren …?
Alles, was mir in meinem späteren Leben begegnet und anders ist, wird von mir vor meinem Erfahrungs-/Heimathintergrund betrachtet, im Vergleich gut, besser, schlechter, auf jeden Fall aber als anders beurteilt. Insofern gibt Heimat so verstanden, Sicherheiten und Maßstab, was nicht heißt „Übereinstimmung“, per se richtig und gut.
So verstanden habe ich auch nicht die Freiheit, mich woanders aufzuhängen, ich kann als Individuum sicherlich entscheiden: ich wandere aus, oder Eltern entscheiden, dass sie fliehen und mich mitnehmen und je nachdem, wie alt ich bin, nehme ich das spätere „Aufgehängt-Sein“ als einzigen Ausgangs-/Startpunkt an, für eine Mehrheit(ein Volk) ist das nicht denkbar (höchstens über Generationen oder durch Assimilation).
Dann aber, wenn ich diesen Boden begriffen habe, habe ich zu der Heimat, in der man Selbstmord begeht (und das machen Menschen besonders aus Scham, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit angesichts politischer Verhältnisse oder Angst vor sich selbst, Denunziation…) einen anderen Zugang als den, der hier im Forum diskutiert wird.
Heimat (in der man aufgehängt ist) ist keine Wahl, sie ist mir geschenkt, als Fluch mitgegeben oder was auch immer: Sie ist in jedem Fall der Ort im umfassenden Sinne, den ich selbst auch nur zu meinem Ausgangspunkt machen kann und in dem ich mich im ungünstigsten Fall fremd fühle, deren Verantwortung ich nicht tragen kann und will, warum auch immer.
Das Gute an dem 100.Eintrag hier in diesem Forum ist zumindest für mich, dass mir klarer geworden ist, was Heimat ist und warum ich für mich schon immer weiß, dass ich sie brauche.
sonja (Donnerstag, 08 Januar 2009 23:10)
heimat...da wo ich authentisch und in wahrheit lebe...keine fassade aufbaue um andere zu blenden...obwohl ich ausgelacht, für verrückt oder peinlich erklärt werde...ich trotzdem der "bauherr" meiner heimat bleibe...
dan (Mittwoch, 07 Januar 2009 17:45)
uwe, du hast vollkommen recht. ich habe bisher nicht über mein verhältnis zur heimat gesprochen.
ich bin längere zeit nicht auf der seite gewesen und als ich nun wieder einmal ins gästebuch schaute, sah ich diese diskussion über das bernhard zitat. und du hast recht, vollkommen unabhängig vom eigentlichen thema habe ich zuerst einige aussagen gelesen, mit denen ich nicht einverstanden war. auf diese wollte ich aber antworten.
aber, ganz klar, wenn man bernhard gelesen hat, weiss man dass dieses zitat wenig sinn hat, sondern wohl eine der paradoxen, provozierend-anstrusen aussagen des malers in "frost" ist. deshalb versteh ich auch jetzt, warum dir die diskussion über dieses zitat so zuwider war.
kann verstehen dass ich überheblich rüber kam.
zum thema heimat. na ja, da könnte man lange überlegen und seiten voll schreiben, ich sehe nur keinen sinn darin jetzt wieder einmal die hälfte von dem zu kopieren was sicherlich schon einer von euch geschrieben hat. ich glaube das wort "heimat" hat für jeden, der es nicht bloss als das haus der kindheit sieht, von wo man herkommt, einen sehr ähnlichen kern. auf jeden fall geht sie über das simple materielle hinaus; sie kann selbst ein lauer windzug sein, der einem durch die haare fährt...
bis dann
Sara (Mittwoch, 07 Januar 2009 08:48)
Ja, ich finde auch, dass Heimat „ein wesentliches Bindeglied zum eigenen Einordnen in dieses Welt ist.“
Für mich ist es irgendwie der Hintergrund, die Basis. Ich bin heute anderswo zuhause, andere Dinge stehen im Vordergrund und doch ist die Heimat eben diese eine feste Konstante die mir überhaupt erst erlaubt mich Neuem zuzuwenden.
uwe (Dienstag, 06 Januar 2009 18:08)
Ich weiß nicht warum, aber ich habe schon am Anfang der Diskussion die Unterscheidung zwischen Heimat und Zuhause treffen wollen. Vertraute Umgebung ist auch noch so ein Begriff, der nicht unbedingt Heimat meint. Mir sind so einige Orte vertraut und ich habe mich auch öfter zu Hause gefühlt.
Heimat ist jedoch ein Begriff, der enger an die eigene Identität gebunden ist. Wer in dieser Welt, egal wo, "beheimatet" ist, der ist ganz eng mit dem Leben und dieser Welt verbunden. Das sagt nichts über die Qualität dieser jeweiligen Heimat aus. Das birgt auch Gefahren - völlig klar - Verklärung, auch reaktionäres Gedankengut speisen sich daraus.
In einer Heimat haben wir unsere Sozialisation mit der Welt, in die wir hineingeboren werden, erfahren.
Und ich behaupte nach wie vor, in diesem Sinne, wer eine Heimat hat, hat eine Verbindung zur Welt, resp., in der Regel weniger Ambition, sich umzubringen. Heimat ist keineswegs nur Geborgenheit - so wie auch Kindheit nicht nur Geborgenheit ist (meistens jedenfalls). Manch einer hat eine konkrete Heimat, meinetwegen ein Dorf, ein anderer hat eine patchwork-heimat, manch einer, der diese geografische Dimension nicht hat, sucht sich eventuell Ersatzheimat. Kurz und gut, ich möchte die enge Verknüpftheit zwischen dem Begriff Heimat und der eigenen Identität diskutieren und behaupten, daß Heimat ein wesentliches Bindeglied zum eigenen Einordnen in diese Welt ist.
Ich kann nur in Sonjas Horn tuten, Dan, und das streift auch das Thema persönlich usw.: Du brauchst nicht so viel zu erklären, bzw. aufzuklären. Du redest nicht über Heimat, sondern darüber, was Diskussionskultur ist, oder wo es Deiner Meinung nach Denkfehler gibt, wo Du meinst, andere kapieren was nicht usw. Du hast noch kein Wort zu Dir, bzw. Deinem Verhältnis zu dem Thema geäußert.
sonja (Sonntag, 04 Januar 2009 19:36)
hm...ja, das macht sinn...hast du schön erklärt...und was ist nun für DICH heimat?
dan (Sonntag, 04 Januar 2009 00:04)
über-persönlich bedeutet keinesfalls, dass du nicht auf deine Erfahrungen, sprich DEIN Leben zurückgreifen darfst. Sonst wäre eine interessante Diskussion kaum möglich und die Diskussion an sich überflüssig.
Es geht darum, dass wenn man diskutiert die Persönlichkeit über der Diskussion steht, und nicht ausgeschlossen wird. D.h. dass wenn ich deinen Beitrag lese und darauf antworte, ich nicht glauben kann dich zu kennen, deine Persönlichkeit. Es geht, meiner Meinung nach, darum aus den verschiedenen individuellen Ansichten, die aus den verschiedenen Lebensituationen, Erfahrungen, etc. entspringen, den eigenen Horizont zu erweitern und den Menschen vielleicht die Gedanken nahezulegen, die einem wichtig sind. Dabei liegt der Fokus nicht darauf, dass ich mir eine Meinung über deine Persönlichkeit bilde. Wie ich schon schrieb, es hat nichts mit dich kennen zu tun. Denn du hast geschrieben:"Du täuschst dich in mir...du kennst mich doch gar nicht...."
sonja (Samstag, 03 Januar 2009 22:03)
dann hab ich diese seite wohl falsch verstanden. denn für mich ist eine diskussion nicht überpersönlich sondern persönlich. ich schreibe aus MEINEN erfahrungen und MEINEM leben. das, was ICH als heimat empfinde und wo ICH heimat nicht finden kann. wofür eine diskussion, wenn nicht aus meinen eigenen erfahrungen heraus? anders ist sie für mich nicht real.
Dan (Samstag, 03 Januar 2009 01:11)
P.S. War das ohne Expander?
Dan (Samstag, 03 Januar 2009 01:10)
Ich frage mich nur Uwe, ob Heimat denn, wenn einen das Leben ankotzt, um es bildlich auszudrücken; wenn alles grau, kahl und fremd ist sobald man aus der warmen friedlichen Heimat "heraustritt", ob Heimat dann der einzige Grund sein kann um sich nicht umzubringen? Du meintest ja (also ich habe nicht ALLE deine Beiträge gelesen), dass wenn man eine Heimat hat, bzw. die Heimat fühlt und mit ihr verbunden ist, man sich nicht umbringt und wenn doch war es keine "wahre" Heimat. Aber ist denn die Heimat die Maxime unseres Lebens? Und wenn ich eine Heimat habe, aber ich mein Leben nicht auf die Reihe kriege sobald ich in die weite Welt hinaustrete, wenn ich mich dann umbringen würde, täte ich es dann nicht da, wo ich mich geborgen fühle und vertraut?
Oder denkst du die Heimat ist so all umfassend dass sie allein der Rückhalt für ein zerstörtes Leben sein kann? Oder dass mit ihr das Leben nie einen so katastrophalen Weg gehen könnte?
Das ist ja auch ein neuer wichtiger Gedanke in dieser Diskussion, dass man selbst mit Heimat das Leben nicht mehr ertragen kann. Dass Heimat nicht alles ist, wenn man den Rest der Welt nicht erträgt.
Und wenn man sich dann tötet ist die Heimat der Ort wo man sich aufhängt, und nicht die raue verhasste "Aussenwelt".
Also "Heimat ist da wo man sich aufhängt". So ungefähr erkläre ich mir diesen Satz. Diesen Satz darf man aber nicht verallgemeinern und auf jeden Selbstmord beziehen.
Verstehst du was ich meine?
uwe (Freitag, 02 Januar 2009 21:12)
Heißt naseweise Laberei jetzt expandierende Diskussion? Was ist eigentlich Deine Sicht auf Heimat, Dan, jetzt mal so ohne Expander?
Dan (Freitag, 02 Januar 2009 18:58)
jette, wir verstehn uns.
sonja, ich behaupte nicht dich zu kennen, ich habe nur auf deine Einträge geanwortet, so wie sie auf mich wirkten. Eine Diskussion entwickelt sich ständig weiter und das sozusagen auf über-persönlicher Ebene, deshalb wenn ich deine beiträge falsch verstanden habe, dann erkläre sie mir; nur von ihnen (den beiträgen) lebt dieses forum ja. das hat nichts mit "kennen" zu tun.
ach ja, schönes neues jahr finn und euch allen.
Jette (Freitag, 02 Januar 2009 15:25)
dan, ich stimme dir zu! ich hatte meine äußerung auch nicht ironisch gemeint! was allerdings meine meinung ist und bleibt: es ist lächerlich in einer diskussion auf eine ebene zu zielen, die man in diesem portal gar nicht übersehen kann. also wie kann man bitte hier jmd PERSÖNLICH angreifen oder beurteilen? gegen die meinung eines anderen zu gehen ist ok und gut und glaube mir, dass ich niemanden dazu bringe seine meinung nicht zu äußern!
dein beitrag (116) - Top!
sonja (Freitag, 02 Januar 2009 13:49)
du täuscht dich in mir, dan, du kennst mich doch garnicht...nur von diesen paar einträgen hier... deine worte gefallen mir, es liegt viel wahrheit in ihnen und ich finde es klasse, dass sich nun doch noch "einer" mehr traut zu schreiben.
dan (Freitag, 02 Januar 2009 00:37)
und jette, jetzt wo ich schon dabei bin, die gemüter gegen mich zu erhitzen, bedeutet weihnachtliche stimmung denn, seine meinung nicht zu äussern und stillschweigend, um des friedens willen, jeder äusserung zuzustimmen?
und wenn man sich während einer diskussion erregt dann zeigt das ja wie nahe einem dieses thema und das gesagte geht. das muss man in einer diskussion auch akzeptieren können. ich finde die leute eher peinlich die keine meinung haben oder die, welche menschen dazu bringen es nicht zu wagen ihre meinung zu äussern.
Dan (Freitag, 02 Januar 2009 00:30)
Und Uwe, eine diskussion wird ja auch dadurch interessant, dass sie expandiert. was nützt es eine diskussion zu führen in der man ständig um die glecihen eng gestrickten aspekte kreist.
durch dieses zitat,hat finn ja einen, für manche vielleicht erschreckenden, aber äusserst wichtigen beitrag zur diskussion geleistet.
uwe, beim thema heimat geht es ja nicht bloss um den friedlichen, wohligen aspekt um den die diskussion sich jetzt schon wochenlang drehte und dadurch fast einschlief. das thema heimat beinhaltet auch, die kühle heimat, die heimat die einen zum selbstmord treibt, oder die einem zum leben nicht grund genug ist und die zwar die letzte zuflucht zum leben ist, aber auch vielleicht zum tod.
und ich fände es sehr schade, wenn man diskutieren will, aber nur das für einen selbst schöne und positive hören will, sonja. literatur IST auch provokation. der das nicht wahrhaben will und sich davor verschliesst wird sein lebenlang immer bloss an der oberfläche der dinge kratzen.
Dan (Freitag, 02 Januar 2009 00:18)
Wer Angst vor Provokation hat, hat Angst vor dem Leben.
sonja (Donnerstag, 01 Januar 2009 09:52)
danke uwe, jetzt kann ich dich verstehn. und doch bekomm ich einen bitteren geschmack bei provokation und irreführung. es liegt daran, dass ich nur leid durch sie erfahren habe. meine eltern hatten ne kneipe von 1966-1973 und ich stand als kind immer zwischen der eistruhe und dem kachelofen, so hatte ich nen guten überblick und wurde meistens nicht gesehn. wenn die menschen kamen waren sie noch gesellig, doch hatten sie genug alkohol, fingen sie an zu provozieren und es endete fast immer in gewalt...und dabei sehe ich heute israel. für mich ist heimat unbedingt ein miteinander und ein klarstellen. jetzt kriegt finn wieder ne krise, bei meinen worten, weil er nach dingen sucht. doch dinge sind ALLE vergänglich und deshalb können sie niemals heimat sein...
uwe (Mittwoch, 31 Dezember 2008 17:08)
Hätte mich wohl präziser ausdrücken müssen. Meine Intention war, darauf hinzuweisen, daß es dieser "Provokation" zum hundertsten nicht bedurft hätte. Dies beweist mir nun gerade die letzte Äußerung. Menschen suizidieren sich zu 90% im Nahbereich des sozial/räumlichen Gefüges! Bis von wenigen Ausnahmen mal abgesehen - wo denn sonst, bitteschön!? Was ist das für eine erhellende Erkenntnis?
Nur, was hat das mit der Diskussion von Heimat zu tun? Das ist es, was ich meine. Ich finde Provokationen in der Kunst notwendig - jawohl. Man sollte sie nur da setzen, wo es Sinn macht. Finn, das Zitat da zu setzen - ich bleibe dabei, war eine Heischerei für das Ankurbeln einer lahm gewordenen Diskussion (Umschreibung von dem, was ich Schwachsinn genannt habe). Es führt vom Thema weg und jetzt geht es darum, wer recht hat bezüglich ganz anderer Inhalte.
Ich bin nun nicht gerade ein Totengräber, aber auch nicht so weit weg vom Thema. Menschen, die so verzweifelt sind, daß sie sich umbringen (wollen), haben meistens den Bezug zu dem "Kraftfeld" Heimat verloren - und ich wiederhole: Natürlich gibt es auch die, die sich gerade die Heimat aussuchen dafür, aber eher weniger. Beide Gruppen bringen sich selbstverständlich im sozial/räumlichen Nahfeld um. Wenn man sich endlich entschlossen hat, es zu tun, fehlt die Energie nochmal extra für die Tat in die Normandie zu fahren, weil man alles, was man an Kraft mobilisieren kann, für den Suizid selber braucht.
So, ich bin dafür diesen Exkurs zu beenden. Er führt zu nichts.
Max (Montag, 29 Dezember 2008 17:53)
Als "gelernter Todesermittler" stelle ich fest, das etwa 90 % aller von mir aufgenommenen Suizide im unmittelbaren Nahbereich des sozialen/räumlichen Gefüges des Suizidenten stattfinden. Das liegt daran, das sie sich offenbar "unwohl" in ihrem Umfeld fühlen und gleichzeitig keine Möglichkeit sehen diesem Umfeld zu entfliehen, außer halt im beschriebenen Sinne. Das Zitat ist keineswegs schwachsinnig, höchstens provokant. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.
Sara (Montag, 29 Dezember 2008 08:57)
Mensch, voll verpasst. Ihr seit ja hier schon wieder mit hitzigen Diskussionen beschäftigt, während ich die ganze Zeit brennende Kerzen bestaunt hab. Naja, so kommt es mir jedenfalls vor.
Mir hat deine Weihnachtsgeschichte auch gefallen Finn. Falls man da von "gefallen" sprechen kann.
Auch wenn ich mir nicht ganz so sicher bin ob sie das richtige für den Kindergarten oder für´s Seniorenheim gewesen wäre...
sonja (Sonntag, 28 Dezember 2008 18:22)
...fast vergessen...finn...deine weihnachts-aussteiger-geschichte in die zeit...die hat mir gefallen :-)
sonja (Sonntag, 28 Dezember 2008 15:56)
dali ist lange tot...und hier tuen sie mir leid die toten, weil ihre worte so aus dem zusammenhang gerissen werden...die "armen" toten...die sich nicht mehr erklären können...nicht mehr klar-stellen können...was wirklich ihre meinung war...
Julia (Donnerstag, 25 Dezember 2008 17:01)
Unterschiedliche Meinungen machen doch ein Thema erst interessant, oder nicht?
Wer interessieren will, muss provozieren.
(Salvador Dalí)
Jette (Donnerstag, 25 Dezember 2008 14:31)
schöne weihnachtsstimmung! das gefällt mir! leider auch irgendwie lächerlich! entladet euern frust woanders- für euch selbst...denn es ist einfach peinlich!
sonja (Mittwoch, 24 Dezember 2008 15:35)
...dafür komm ich nochmal zurück...das geht ja garnicht...was ist das denn für ne oberkacke? finn-ole heinrich, wo lebst du denn? im mittelalter? literatur als provokation zu sehn oder zu machen ist für mich das letzte! weißt du denn nicht, dass nur durch provokation kriege entstanden sind und immer noch entstehen? willst du das...krieg??? literatur ist für mich EINE art der kommunikation, aufklärung, erklärung und der schlüssel zu türen, die uns sonst verschlossen bleiben würden. türen um zu einander zu finden, den anderen kennen zu lernen um in frieden leben zu können. und was soll das "alter mann und junger schnösel" getue? wo soll das hinführen? finn-ole heinrich, habe ich mich so in dir geirrt? schade...eigentlich...friedvolle tage...für euch alle...
uwe (Donnerstag, 18 Dezember 2008 20:12)
Danke für die Aufklärung über KZ´s und Literatur - mußte mal gesagt werden! Dann hat das ja toll geklappt, den Spießer hervorzulocken. Darauf ein Piccolöchen unter hoffentlich Unterdreißigjährigen ob der gelungenen Provokation. Wie geil!
Bleibt dabei: Wer Heimat hat - bringt sich nicht um, zumindest tut er es weniger. Diejenigen, die es natürlich trotzdem da tun, halten es nicht aus, daß es sie gibt. Sie setzen ein Zeichen, wo es hin soll. Aber es ist eben nicht typisch. Ich vermute eher die Ausnahme. Schade, die Vorstellung war so romantisch und unspießig. Fast cool. Ich glaube, Sonja schrieb sowas wie, daß Heimat bewegt und einen sozusagen auf Trab hält. Das ist viel typischer und unsuizidaler. Suizidalität ist die Aufgabe an den Glauben an Bewegung. Heimat bewegt aber - wenn nicht, ist es nicht Heimat, über die geredet oder empfunden wird. Sondern vielleicht über die Muffigkeit, die Fesseln des Daseins o.ä., die Unfähigkeit, die Heimat als Herausforderung, als Ruhepol, oder beides zu sehen.
Ich bin wahrlich ein Freund der Metapher und der Übertreibung - nachgewiesenermaßen, aber tut mir leid - diese Zuspitzung zum 100sten ist eher irreführend und unpassend.
finn (Donnerstag, 18 Dezember 2008 15:05)
naja, ich finde, so wörtlich muss man den bernhard ja nicht notwendigerweise nehmen. (wobei der satz so blöd ja nicht sein kann, uwe, wenn du ihn so stark bebilderst. wo macht denn genau der suizid, den du da beschreibst sinn, wenn nicht zuhause? und dann erschließt er ja nur eine weitere dimension des umgangs mit heimat...
und waren kzs stätten des suizids? vielleicht auch, aber in erster linie wohl stätten des mordes)
interessanterweise musste ich, als ich den satz gelesen hab, ausgerechnet sofort an dich und einige deiner sätze über heimat denken, uwe. nämlich, dass man sich heimat nicht aussuchen kann, dass heimat auch aufgabe ist, nicht nur der liebende schoß, das maiglöckchenparfüm auf omas toilette, nicht der pflaumenkuchen bei mutti, sondern auseinandersetzung, haltung, verantwortung.
und bernhards satz - so habe ich ihn jedenfalls gelesen - sagt doch was ganz ähnliches, nur auf eine viel drastischere und verzweifeltere art: man kann daran, an der aufgabe, der auseinandersetzung, der heimat ja auch scheitern. und dann? kann man sich immer noch überlegen wie man damit umgeht. aber in der kürze, in der präzision und provokation finde ich den satz alles andere als dumm.
verkürzt, ja. bestimmt die falsche antwort, ja. nicht richtig in den meisten fällen, auf die man in anwendet, ja. aber blöd? nein. finde ich echt nicht. ist eben ein fetzen literatur. und die ist dazu da, zu irritieren und zu provozieren und dich spießigen alten mann zu solchen äußerungen zu bringen.
frohe adventszeit, ihr lumpen,
finn
sonja (Mittwoch, 17 Dezember 2008 20:06)
...grad wollt ich schreiben, ohweia - hoffentlich nimmt das niemand wörtlich - aufhängen...seine "bilder" aufhängen...und wenn es stimmt, was thomas bernhard sagt, dann ist das internet ein stück heimat für mich...diese hp und na klar auch meine eigene...es ist zeit für mich...mich in die stille zurück zu ziehen...um mich vorzubereiten...für den heiligen abend, der etwas besonderes für mich ist. ich werde die nacht verbringen, im schlafsack unterm sternenhimmel...allein an "meinem" mystischen see...es wird kein mensch da sein und doch werde ich den ein oder anderen bei mir fühlen...allen eine zeit zum glücklich sein...und danke, es hat mir hier bei euch gefallen...ich sag dann mal...bis denne...und...auf ein neues...
uwe (Mittwoch, 17 Dezember 2008 18:27)
Jette - außerdem, wenn ich lese, was Du schreibst, wird mir auch ganz heimatlich. Das ist meine Denke. Warum schreibst Du keine Bücher, nur Dein kleiner Bruder?
uwe (Mittwoch, 17 Dezember 2008 18:06)
Hat das Stil - einen Schwachsinn zum Hundertsten? Nicht der erbärmlichsten sozialempirischen Untersuchung würde das standhalten. Klar gibt es sowas. Hier hat sich neulich einer umgebracht, der ist auf einen alten Förderturm geklettert und hat sich suizidiert. Das ist die Marke Mensch: Alle hier sollen sehen, was sie mir angetan haben, alle sollen es sehen, hautnah, in der direkten Umgebung, Mama, Papa, all die Hurensöhne, die mich nicht richtig erkannt haben.
Gibt es - keine Frage. Und die anderen? Ist ein KZ ein Zuhause (zugespitzt, jaja, ich weiß). Selten einen so blöden Satz gelesen! Soviel zum Jubiläum - tut mir leid.
finn (Freitag, 12 Dezember 2008 23:13)
"Heimat ist, wo man sich aufhängt."
Thomas Bernhard
(damit musste ich warten, bis zum jubiläumsgästebucheintrag!)
sonja (Freitag, 12 Dezember 2008 23:03)
der zeitpunkt ist gekommen, wo scheinbar die erklärung für den begriff heimat gefunden wurde: heimat ist da, wo man satt wird. als ich den text las, bekam ich magenschmerzen und brauchte einige tage um zu wissen warum. es gab da schon mal jemanden, der "das volk" satt gemacht hat...satt - für mich ein gefährlicher ausdruck. es gibt gesellschaftsformen, die schon so manchen den magen verdorben haben...und nicht nur den magen. sattsein bedeutet für mich trägkeit, willenlosigkeit und genügsamkeit. zu viele totgesättigte sehe ich täglich um mich rum...keine lebendigkeit mehr da...satt gemacht werden, nein, nicht der passende ausdruck für mich! für mich ist heimat finden,da, wo ich meine lebendigkeit im ganzen wesen meines daseins spüren und leben kann: wenn das kribbeln der lebensenergie in jeder zelle des körpers frei fließt, der geist hellwach ist und die seele voll freude sich in kreativität ausdrücken darf - egal in was für einer form...dann ist der ort der heimat gefunden. eine zeitlang ausruhen und genießen was ist...um dann weiter gehen zu können um eine neue art-ort heimat zu finden...die welt ist zu vielfältig um einfältig zu sein...
Jette (Donnerstag, 11 Dezember 2008 21:20)
Bruderherz,
jetzt noch ich, damit sich das ganze familiensimsalabim langsam füllt...
ohne frage- es besteht ein unterschied zwischen heimat und zuhause! mein zuhause ist da, wo mein bett ist und mein schrank und wo ich esse...
heimat ist anders, sehr viel mehr. Bedeuten all diese schönen bilder und Situationen, die beschrieben werden, nicht einfach Vertrautheit? ich kenne das. vor allem und am stärksten, wenn ich das waschmittel meiner mutter rieche. schönes bild-toller geruch. aber ist es nicht einfach modern und romantisch seine heimat so zu definieren? meine heimat ist doch da, wo meine wurzeln sind, wo ich mich entwickelt habe, wo ich sovieles "zum-ersten-mal" gemacht habe. finn würde jetzt wohl sagen: ja, aber wir suchen nach den teilen. diese teile...wenn ich daran denke (an die teile), wie das waschmittel, dann lande ich immer bei meiner familie und cuxhaven - also behaupte ich, dass diese teile "nur" erinnerungen oder verknüpfungen dessen sind, was für jeden von uns seine heimat ausmacht.wenn ich sie verfolge und bis zum ende weiter denke, dann lande ich bei meiner heimat. bei mir familie und cuxhaven (so unwohl ich mich in dieser stadt fühle- sie ist doch meine heimat vll auch nur im zusammenhang mit meiner familie?!)
Julia (Sonntag, 07 Dezember 2008 00:35)
kann es sein, dass heimat besonders an weihnachten unheimlich wichtig wird? egal wo du gerade bist, an weihnachten will man einfach zu hause sein. dort wo es die gefüllte gans gibt die nur mama so kann, die leckeren plätzchen...einfach das ganze drumherum. mag sein, dass der ganze konsumwahn weihnachten zu stress werden lässt.
an weihnachten tut man nen teufel, um an heiligabend dort zu sein, wo heimat ist... das ist dort wo man satt wird, wo menschen auf einen warten und dort wo man so sein kann wie man ist.
sonja (Freitag, 21 November 2008 19:17)
räuberhände...ein buch, das mich an ein stück alte heimat erinnern ließ. als ich es las, fand ich mich in samuel wieder. längst vergessene wunden brachen wieder auf und meine gefühle schlugen purzelbaum...ich wurde krank. ein freund schrieb mir, nimm dir was du brauchst. und ich las das buch nochmal. aber dieses mal anders...ich las nur die eingeklammerten texte und fand eine wunderschöne liebesgeschichte. alles alte konnte bei mir heilen und das buch ist ein wahrer schatz für mich...und vielleicht hab ich glück und ich lerne ihn mal persönlich kennen...samuel
gnews (Montag, 17 November 2008 00:50)
Da macht das Lesen Spaß. Wir kommen bestimmt bestimmt wieder. Tolles Projekt.
Das G-News Team
finn (Mittwoch, 12 November 2008 18:06)
nee, läuft weiter, stirbt nicht, der laden hier. werds nur nicht mehr sooo intensiv betreuen. portraits, die entstehen, werd ich auch weiter online stellen, aber nicht mehr jede woche...
und wer mir was schickt, hat auch weiterhin chance, dass es hier erscheint. und das gästebuch, ganz klar, bleibt am leben!
Julia (Mittwoch, 12 November 2008 15:50)
was passiert eigentlich mit heimathuckepack nach ablauf der zeit? offline? alles wech? not available?
baselplus (Samstag, 01 November 2008 18:26)
Hallöchen, ab sofort kannst Du fast geschenkt ein super Chalet bekommen; das kann ein tolles Heim sein mit viel Aussicht - schau bei mir schnell rein.
LG - Jo
jule (Freitag, 31 Oktober 2008 16:32)
hm...es gibt auch in städten scheiß dinge...
außerdem lernt man in kleinstädten bzw. dörfern sehr gut damit umzugehn, andere menschen und ihr dummes gelaber zu ignorieren. andererseits versteh ich es auch wirklich, dass man da flüchten will. und man kommt irgendwie nie woanders hin...
aber joa ich glaub auch nich, dass du cux nich vermisst oder so ....
ich denk auch, dass es keine rolle spielt, ob es schön für dich war oder nich.
aber wenn du nie wieder dort hingehn könntest, dann würdest du es vermissen oder nich?
Sara (Freitag, 31 Oktober 2008 12:42)
Eigentlich weißt du schon wo ich herkomm.
Hab ich dir in meiner Mail geschrieben. Aber ich
verzeihe dir, dass du dich nicht mehr dran erinnerst.
Bei den vielen Fans :-)
Hannover. Da bin ich geboren. Aber ich finde gar
nicht, dass das wirklich eine Rolle spielt ob es da
schön war oder nicht.
Wenn wir hier jetzt von Uwes Definition von Heimat
sprechen, dann hast du eigentlich keine Chance
dich von Cuxhaven zu lösen. Also nicht wirklich.
Das ist ein bisschen wie Familie.
Deine Eltern verlässt du auch irgendwann, aber was
sie dir in frühster Zeit gezeigt, erzählt,
beigebracht haben trägt einen so großen Anteil
daran wie du heute bist. Das kannst du irgendwie
nicht ablegen. Vielleicht höchstens vergessen.
Aber es ist ja auch nicht der Ort selbst der
dich geprägt hat. Sondern, dass alles was wichtig
war dort stattgefunden hat. Keine andere Stadt auf
der Welt, egal wie schön sie auch sein mag, kann
diese ersten Erinnerungen ersetzen.
Aber das heißt ja nicht, dass du Sehnsucht nach
dem Ort haben musst. Es geht ja irgendwie eher um
diese aller ersten Prägungen im Leben. Die können
ja auch schrecklich sein. Aber prägend bleiben sie
eben trotzdem.
Sophie (Freitag, 31 Oktober 2008 12:39)
Sind es die Menschen und Strukturen in Cuxhaven, die dich "krank" machen?
Das kann ich aus dieser Perspektive noch verstehen, aber wenn du jetzt am Wochenende da wärest. Morgens die Sonne aufgeht, du in Döse in der Nähe der Kugelbake spazieren gehst, wo kein Mensch ist, völlige Ruhe, die Sonne dein Gesicht wärmt und du das Surren der Schiffsmotoren hörst...
Irgendwie ist das für mich auch Cuxhaven... das sind ja keine Strukturen. Vielleicht gibt es diese Momente auch an anderen Orten an der Nordsee... aber dieses Gefühl gehört für mich mit zu Cuxhaven und somit auch ein Stück Heimat.
finn (Freitag, 31 Oktober 2008 11:58)
hej, das ist ein ausgesprochen guter satz finde ich:
>Wahrscheinlich weil sie alle ahnen, dass ein >wichtiger Teil von ihnen dort geformt, oder >vielleicht auch verformt, wurde.
- ich finde aber nicht, dass in einer neuen stadt nichts eine geschichte hat, alle orte ohne bedeutung sind. das ist doch nur im wirklich allerersten moment so. danach muss man eben die geschichten finden, die bedeutung, also klar: sagst du ja auch schon, aber irgendwie will ich protestieren. vielleicht nur, weil mir die vorstellung nicht gefällt, dass cuxhaven mich so sehr geprägt haben soll. also: dieser ort. ich bin ja stolz und ausgesprochen froh über meine freundschaften. fast alle meine wichtigsten freunde sind cuxhavener - und keiner ist mehr in cuxhaven. wenn ihr beide so schreibt (sara, ich weiß ja gar nicht, wo du herkommst, aber es klingt besser als cuxhaven), dann bin ich fast etwas neidisch: oberhausen ist objektiv vielleicht nicht die geilste stadt der welt, aber immerhin ist es eine stadt, in die man zur not zurückkehren kann. das geht mit cuxhaven eigentlich echt nicht. ich bin also fast gezwungen, mich von diesem ort zu lösen, meine heimat in den menschen zu sehen, die mich weiter begleiten, und mit denen ich nun mal eben zufälligerweise vor einer nicht besonders eindrucksvollen kulisse gespielt habe. bei mir ist da wirklich wenig sehnsucht nach dem ort.
vielleicht wird mir aber auch erst noch bewusst, wie sehr mich cuxhaven geformt hat (ah, wenn ich das schreibe, kann ich, will ich es mir nicht vorstellen). oder eben auch verformt...
Sara (Donnerstag, 30 Oktober 2008 23:34)
Ja, ich verstehe jetzt was du meinst.
Ich finde aber auch, dass man dann gerade in der Fremde erst ein Gefühl für diese Heimat entwickelt. Solange ich in meiner Geburtsstadt gewohnt hab, hatte ich immer das Gefühl, dass ich überall heimisch sein könnte. Dass es keinen großen Unterschied macht ob ich hier bleibe oder weggehe.
Aber das stimmt irgendwie nicht.
In einer neuen Stadt hat nichts eine Geschichte. Kein Ort eine Bedeutung. Alles ist fremd. Und klar, man sammelt neue Freundschaften, Augenblicke und Momente aber die Ersten prägen einen vielleicht irgendwie doch anders als alle folgenden. Sodass dann, wie bei dir mit der Frau, plötzlich schon ein kleines Ereigniss ausreicht um, tja, irgendwas auszulösen.
Und "Heimat" scheint auch immer eine gewisse Wehmut mitzubringen. Zumindest wenn man nicht mehr dort ist. Selbst Menschen die eigentlich immer nur weg wollten sprechen nach einiger Zeit anderswo immer mit einem Leuchten in den Augen von ihrer einst so verhassten Heimat.
Wahrscheinlich weil sie alle ahnen, dass ein wichtiger Teil von ihnen dort geformt, oder vielleicht auch verformt, wurde.
uwe (Donnerstag, 30 Oktober 2008 21:40)
Ja - wobei das sehr unterschiedlich sein kann, was dann tatsächlich an Heimatlichem auch so empfunden wird...Geografie...Essen...Sprache...Umgangsformen...tausend andere Sachen, die sich in uns einbrennen und die dann bei der Definition von Zuhause fühlen auf einmal eine Bedeutung bekommen, die einem vielleicht erst nach und nach bewußt werden, manchmal aber auch schlagartig.
Ich habe mal eine zeit in Hamburg gelebt und habe mich dort auch sehr Zuhause gefühlt. Dann geh ich eines Tages in der Mönckebergstraße in ein Geschäft und da war eine Frau, die irgendwelchen Tinneff, Haushaltswaren, Reiniger oder sowas an einem Stand verkauft hat. Ich bin da stehen geblieben, nicht weil mich interessiert hat, was die da verhökern wollte, sondern weil die einen so wunderschönen Ruhrpottslang sprach. Ich hab das reingesogen wie Muttermilch. Dann fragte ein Mann, wo sie herkomme, und sie sagte, aus Oberhausen, der Wiege des Ruhrgebietes - da war ich ehrlich überwältigt. Ich hatte das ja nicht vermißt, dann hörte ich es und es hat etwas in mir ganz heftig angerührt, so wie man eine Klangschüssel anschlägt und die ewig lange einen Ton hinterherschwingt,der durch und durch geht.
Letzten Sonntag, nach dem Fußball saß ich in der S-Bahn nach Bochum neben einem sehr netten Fan aus Kaiserslautern - wir sprachen miteinander und irgendwann fragte ich ihn wegen seiner Sprache, ob er ein Ossi sei. Er sagte, scheiße hört man das noch immer? Ich hatte es gemocht, daß er so sprach, ich habe lange im Osten gelebt, war dort sehr zu Hause. Aber es war eine ganz andere Emotion, verglichen mit dem Erlebnis mit der Frau mit dem Verkaufsstand auf der Mönckebergstraße.
Wird es so etwas deutlicher, was ich meine?