unfertige fragen

hab vor ein paar tagen gomorrha im kino gesehen. und wieder habe ich mich gefragt - wie ich mich ganz oft bei solchen filmen oder geschichten frage, die von so schrecklichen lebenssituationen erzählen - warum eigentlich die leute nicht aufbrechen und es woanders probieren. was sie da hält, wo ihr leben bedroht ist, es ihnen schlecht geht, sie in ständiger angst leben müssen. ich meine: klar, erstens sind ja enorm viele menschen unterwegs, eben weil ihre lebenssituation so beschissen ist und sie woanders ihr glück vermuten und zweitens sind das wahrscheinlich ganz unterschiedliche gründe, die im einzelfall dazu führen, dass man bleibt, wo man ist (arbeit? familie? sprache? der charakter? ...), trotzdem finde ich es dann doch immer wieder erstaunlich, wie viele menschen bleiben. warum bleibt man? mal als gegenfrage zu diesen enormen migrationsbewegungen.

 

ich hab vor ein paar monaten auch einen russischen dokumentarfilm gesehen, in dem es um das leben einer familie ging, die in einer unfassbar lebensfeindlichen gegend lebte, in einem erdloch, abgeschieden, hungernd, einsam. und nach und nach kam heraus, dass sich die älteste tochter vor kurzem im wohnzimmer aufgehängt hatte. da hatte ich dieselbe frage im kopf. wenn man so verzweifelt ist, warum geht man dann nicht einfach? warum probiert man nicht was anderes? schlimmer kanns dann ja offenbar gar nicht mehr werden. fehlt vielleicht die perspektive? kann das sein? heute noch? da weiß man doch von der halben welt und kann auch halb darauf zugreifen, in zeitungen, büchern, filmen, im internet...

ich hab mich früher schon immer gefragt, warum die leute sich eigentlich in lebensfeindlichen gegenden ansiedeln, in der wüste, in der arktis, im hochgebirge. als ich klein war und mein vater seinen hof noch hatte, ich weiß noch, da hat er manchmal gesagt: ein paar dörfer weiter, in der marsch, da wohnen die reichen bauern, mit den dicken höfen. und ich hab mich immer gefragt: ja, warum wohnen denn dann eigentlich die leute hier?

 

naja, das sind natürlich alles naive fragen, aber vielleicht hat ja jemand lust, naiv zu antworten... fänd ich ja spannend, gründe zu erfahren, warum jemand bleibt, obwohl es hart ist.

 

uwe hat im gästebuch schon mal einen grund formuliert, den ich spannend finde: "weil ich das Gefühl habe, dass ich hier gebraucht werde, weil ich mich in dieser Heimat zu positionieren habe"

heimat nicht als etwas schnuckeliges, als wärmender schoß, sondern als aufgabe.

 

eine wirklich bewegendes dokument einer unerträglichen lebenssituation, eines aufbruchs und mäßigen glücks in der fremde habe ich vor ein paar tagen zugeschickt bekommen. ein anonymer monolog, der im mitmach-bereich der seite zu finde ist: ich hatte kein schönes leben... - unbedingt lesen! geht unter die haut!

 

 

außerdem habe ich wieder einen menschen getroffen. monika. mit ihr habe ich mich über pommes unterhalten. unter anderem.

 

 

 

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Kommentare: 15
  • #1

    sonja (Freitag, 26 September 2008 14:36)

    jeden morgen, wenn du die augen aufschlägst, hast DU die endscheidung! klar kann ich sagen, oje die welt ist so böse, da geh ich nicht raus, damit will ich nichts zu tun haben. du kannst aber auch sagen, ok ich seh NICHT nur das böse und heute mach ich alles anders als gestern und dann will ich mal sehn. DU hast die endscheidung! aber es ist ja so wunderbar einfach zu sagen, der andere ist schuld. es war schon immer so und wird auch immer so bleiben, keine eigene meinung zu haben, eine andere meinung anzunehmen-es ist ja so wunderbar einfach- mir nicht meinen eigenen kopf zerbrechen zu müssen. immer ja zu sagen ist einfach! auch die anonyme frau hat die chance gehabt nein zu sagen und hätte sie es gewagt, wäre ihr leben anders verlaufen. mut, die verantwortung für sich selbst und das eigene leben zu übernehmen. aber das geht nur, wenn ich nicht in selbstmitleid und lethargie falle, sondern meinen eigenen starrsinn erkenne und ablege. indem ich kämpfe aber nicht gegen menschen, sondern gegen regeln, dogmen und struckturen, die schon lange überholt sind und mir von menschen anerzogen wurden. diese abzulegen, weil sie nicht mehr relevant sind in meinem leben, das macht sinn. es gibt nen schönen spruch im zen: lerne die regeln, damit du sie brechen kannst.

  • #2

    uwe (Freitag, 26 September 2008 21:07)

    Wohin willst Du denn heute gehen? Die Zeiten sind vorbei, in denen es gelobte Länder gab. Erstens mußt Du die Kraft haben zu gehen. Das ist gar nicht so einfach und heute vielleicht ein Privileg der Postinterrailjugend aus reichen Ländern. Ansonsten verständigt man sich weltweit bis weit hinein in die ach so aufgeklärte tiefkleinbürgerliche Schickeria auf die mexikanisch/kalifornischen Grenzanlagen (welch Heuchelei, das Geschrei um Berliner Mauertote, nur mal nebenbei) und das Mittelmeer als "natürliche" Grenze. Liberal-ökologisch situiertes Lehrerpack denkt mitten im Abendland nach über die Finanzierung von KZs in Nordafrika. Das ist die Realität und die Höhe!
    Mein Gott, was für akademische Scheißfragen! Eigentlich kotzt mich das Thema Heimat regelrecht an!
    Ich merke, ich kann in meiner Heimat unverblümter und noch direkter z.B. gegen Rassismus oder z.B. gegen die Spielart Sexismus auftreten, weil ich mich hier sicherer bewegen kann, zumindest eine Nuance. Hier kann ich im Stadion, in der Kneipe oder so, viel leichter einfach aufstehen und sagen: Halts Maul! Ich bin hier, und hier geschieht so etwas nicht. Ich fühle mich hier noch etwas mehr im Recht - in der Heimat. Ja, das empfinde ich auch als eine Pflicht - hier mehr als woanders. Das ist vielleicht auch ein Teil der Definition des Begriffs.

  • #3

    finn (Samstag, 27 September 2008 13:46)

    also erstens gibt es ja genug, die gehen. ob nun das land gelobt ist oder nicht... und zweitens meine ich ja eher: egal wohin, nur einfach weg. wenn dein leben bedroht ist, wenn du eigentlich nichts mehr zu verlieren hast, wenn es nur noch besser werden kann, warum dann nicht einfach weg. da gehts gar nicht um gesegnetes land oder so. sondern um die möglichkeit, überhaupt irgendwie anders und neu zu leben. so meinte ich das.
    aber gestern nacht hab ich nochmal drüber nachgedacht und ich vermute, dass man irgendwie wahrscheinlich meistens denkt: das wird schon. wahrscheinlich findet man immer was, das dann eben doch noch schlimmer sein könnte, irgendwas, woran man hängt und das man sich nicht traut aufzugeben...
    ist jetzt etwas blabla, ich hab grad nicht richtig zeit, vielleicht später nochmal, aber ich wollte mal kurz auf deine tirade antworten und sagen, dass ich das ein bisschen anders meinte, als du es offenbar verstanden hast.

    erzähl mal was von den kzs in nordafrika. ist mir gar nicht bekannt...

  • #4

    sonja (Sonntag, 28 September 2008 10:07)

    bei uns hier in hildesheim tanzt im moment der hammer...neuer film im kino "der baader meinhof komplex". alle zeitungen sind voll, in den schulen große diskussionen, einer von der raf ging hier zur schule in hildesheim...da ist die raf plötzlich ganz nah...einer von UNS. das will ich sehn, ich geh ins kino. rechts und links von mir nur jugendliche, vor mir eine gruppe junger männer, beaufsichtigt, vielleicht freigänger aus´m knast oder so...eigentlich ne gute sache, wie´s so anfängt, aufbegehren gegen den krieg in vietnam. der links neben mir bewegt sich nicht einmal, sitzt den ganzen film über ganz grade, die hände im schoß gefaltet. der rechts neben mir wird immer zappeliger, je mehr nackte frauen über die leinwand huschen. und als die ensslin sagt, sex und schießen gehören einfach zusammen, da hat er´s endlich geschafft...und der duft von frischen kastanienblüten macht sich im kino breit. der film wird immer brutaler...immer mehr blut, tote werden nochmal erschossen und die eigentlich gute sache zerfällt. alles was man angeprangert hat, alles was man verurteilt hat...nun tut man es selber. man stellt sich mit seinen peinigern auf eine stufe...man handelt ebenso...nichts ist anders als in vietnam...menschen töten menschen...terror pur...2 1/2 stunden lang...und ich denke, die zeit war wohl reif, mal wieder in die vergangenheit zurück zu schauen und sich gedanken darüber zu machen, dass menschen, die selbst unterdrückung, hass und leid in ihrem leben erlebt haben, nicht in der lage sind anders zu handeln als so, wie sie es selbst erfahren haben. ein teufelskreislauf. und als ich gehe frage ich mich, wo waren eigentlich die frauen im kino? wo sie doch den meisten anteil haben, an dem wohlergehen der kinder. grade sie, sollten sich den film mal anschauen.

  • #5

    uwe (Montag, 29 September 2008 20:00)

    Meine Bochumer Muse, die immer etwas ganz Schlaues (für mich jedenfalls) zu sagen hat, sagte gestern, nein fragte, als die das hier las, muß ich eigentlich weg um zu wissen, daß dies meine Heimat ist - wenn ich weg bin in HH oder Berlin, dann spüre ich mehr das Ich, weil das Umgebende, das Einbettende nicht da ist.
    Das ist die Antwort auf die Frage, warum bleibt jemand, obwohl es vielleicht hart ist. Für mich ganz leicht nachvollziehbar.
    Wir lachen viel, ich der so lange weg war und sie, die nie weg war bei dem Entdecken unserer Heimat - da wird einem so viel bewußt, man nimmt Dinge wahr, die man vorher vielleicht nur unbewußt oder nicht wahrgenommen hat.
    Es sind keine Tiraden, die ich ablasse, mein Gutester, aber ich fühle mich abgestoßen von irgendwelchen Schickheiten und verklärtem Mist, den ich nicht auch noch mit meinen Geschichten nähren will - mir ist das mit Verlaub ein ernstes Thema. Dich meinte ich damit sowieso nicht.
    M., Dich möchte ich erinnern, wenn Du liest: Stell Deinen tollen Text hier rein!
    Remember: Heimat ist ein heikles, sensibles Thema - damit werden Kriege gemacht und man benutzt es zur Verklärung und Entstellung. Ich bin ganz toll und liege seit Wochen bei Cocktails in Kalifornien am Strand - aber immer dieser blaue Himmel - in der Heimat gab es Regen, Bier, Schnee, Tannen, Schlitten, Weihnachtsmänner usw und schon ist die ganze Heimat Schwarzwald und Oktoberfest. Das ist ätzend und schnöde. So, ich geh mir jetzt mal die Kohle aus dem Gesicht waschen, freu mich über das schwarze Wasser und ess dabei ne Currywurst, die ich mir auf dem gußeisernen Ofen von Thyssen-Krupp zubereite. Dabei denke ich an Fußball und dicke, blonde Titten.

  • #6

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