flaschen sammeln fürs zweite deutsche fernsehen

ich bin mal wieder unterwegs. grad in berlin. das ist eigentlich auch gut, weil ich ja grad gar keine wohnung hab. wenn ich unterwegs bin, fällt mir das nämlich nicht so auf, dass mir eine wohnung schon ein bisschen fehlt...

doof ist nur, dass jetzt auch meine digitale heimat halbkaputt ist. mein rechner will nicht mehr mit dem internet... das ist fatal für mich. zum glück hab ich hier grad einen ersatz-pc.

in berlin wohne ich bei meinem onkelfreund und der ist auch ein ziemlicher wandervogel, war früher oft und lange in afrika, hat dort immer wieder auch jahrelang gelebt. und so fand ich gestern nacht noch eine art kalender in seinem zimmer. einen kalender mit afrikanischen weisheiten für alle lebenslagen. aber welche seite ist aufgeschlagen? die mit zwei weisheiten zum thema heimat. na, wenn das kein zufall ist:

 

"wenn du nicht mehr weißt, wohin du gehen sollst, halte inne und schau zurück, woher du gekommen bist." (>aus afrika< steht darunter, naja...)

 

und

 

"es gibt keinen weg, der nicht irgendwann nach hause führt"

 

 

ich war vor ein paar tagen übrigens auch mal wieder in der zwischendurch-heimat hannover und dort auf einem wirklich großartigen konzert von geoff berner (ein - ich glaube - kanadier, der in irgendeiner form jude ist, jedenfalls klezmer-punk oder -songwriting macht). auf diesem konzert habe ich irgendwie sehr viel über mich und über deutschland und heimat und so weiter gelernt.

erstens nämlich hat berner eine geile bühnenpräsenz gehabt. er allein mit seinem akkordeon hat zwei stunden lang zweihundert leute gefesselt, was schon mal bemerkenswert ist. alle waren begeistert - aber zum mitsingen hat er sie trotzdem nicht bewegen können, so sehr er es auch versucht hat. das ist irgendwie typisch, finde ich. auch typisch für mich, übrigens. ich hätte mir so gewünscht, einfach mitzugrölen. hab ich aber nicht gemacht. warum nicht? weiß ich auch nicht, aber irgendwie dachte ich in diesem moment: das ist so typisch deutsch oder wenigstens: so typisch norddeutsch- und schade.

zweitens - humor! berner war so verdammt witzig, so bissig, sarkastisch und ironisch, dass ich ganz neidisch war. so auf das leben gucken zu können, muss unglaublich schön und erleichternd sein. ist das den meisten deutschen einfach nicht möglich? ich meine: mit etwas mehr ironischer selbstdistanz könnte man auch einfach singen und drauf scheißen, ob man die töne trifft oder nicht. aber allen ist es immer so wichtig, sich bloß keine blöße zu geben und man lacht lieber über einen anderen, als sich selbst auszuliefern. naja.

drittens ist berner nun offensichtlich jude oder sieht sich in einer jüdischen tradition oder wie auch immer, jedenfalls war auch EIN typ im publikum, der das konzert die ganze zeit gestört hat. oder jedenfalls hat er es probiert. ich stand zu weit von ihm weg, um zu verstehen, um was es ihm ging, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er einfach ein rechtes arschloch war und rumgepöbelt hat. ziemlich peinliche, ziemlich ungute situation. berner ist cool mit der sache umgegangen, aber weil er gar kein deutsch kann, wars für ihn auch nicht einfach, das von der bühne her zu lösen. schließlich hat einer dem typen was ins ohr geflüstert und der typ ist dann zehn minuten später abgehauen. aber das war auch wieder so eine situation, von der uwe vielleicht schon ein bisschen im gästebuch gesprochen hat: plötzlich waren alle im raum zu einer haltung aufgefordert. und ich hatte das gefühl, dass es eben auch deshalb etwas besonders war, weil wir alle diesen geschichtlichen kontext haben. ein plötzlicher moment von kollektiver heimat. vielleicht hänge ich das jetzt zu hoch, aber es erinnert mich irgendwie sehr an das, was uwe im gästebuch geschrieben hat: heimat ist keine wahl. ich bin gezwungen, mich meiner heimat zu stellen, position zu beziehen...

 

 

so, eigentlich wollte ich nur kurz darauf hinweisen, dass es einen weiteren neuzugang auf heimathuckepack gibt: michael

 

und dass michael und der text über michael auch das interesse des zdf geweckt hat und zum selben thema eine kleine doku oder reportage entstanden ist, die bald im zdf zu sehen ist: das geld liegt auf der straße

 

sonst noch ein kurzer werbehinweis: ich les heut abend in berlin. in wladimir kaminers café burger. mehr dazu hier!

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Kommentare: 3
  • #1

    Sara (Mittwoch, 05 November 2008 20:41)

    Tja, ist schon irgendwie wahr. Also das mit dem Mitsingen.
    Obwohl wenn ich so recht überlege, stehe ich wahrscheinlich auf jedem Konzert immer neben dem einen Typen der doch mitsingen muss. Und bin jedesmal genervt weil ich den Sänger nicht verstehe. Sowieso geht´s mir immer voll auf den Keks wenn ich mit irgendwas beschäftigt bin und irgendwer neben mir zu laut atmet. Es behindert mich ja nicht mal, es stört mich einfach nur.
    Obwohl, vielleicht bin ich tatsächlich auch nur irgendwie neidisch, dass ich´s nicht kann: Laut sein und keine Angst haben sich lächerlich zu machen.
    Naja, wie du schon sagst: Typisch deutsch eben.
    Ja, und mit Sicherheit auch irgendwie- schade.

  • #2

    Oxandrolone (Mittwoch, 14 Mai 2014 17:26)

    Hallo, ich war gerade dabei, Informationen über zeitgenössische Literatur zu sammeln und wurde von Google unter anderem hierher verwiesen. Da ich schon mal hier bin, möchte ich auch nette Grüße hinterlassen. Eine schöne Seite haben Sie hier übrigens.

  • #3

    Ephedrin ohne Rezept (Freitag, 20 Januar 2017 12:37)

    Tolle Sache