monika

 

Monika lächelt scheu und macht Pommes nach Geheimrezept. Sie hält viel von üppigen Portionen, ihr Laden heißt „Saftladen", ihre Gäste nennen ihn den "Getränkenotdienst", weil man auch mitten in der Nacht noch klingeln kann, um einen Kasten Bier zu kaufen.

 

 

 

 

 

 

SOLANG ICHS HALTEN KANN.

 

 

Ich bin, ich bin kein großer Redner. Arbeiten, das kann ich, das mach ich gern. Aber reden? Auch telefonieren: ja, nein, danke, tschüß, das reicht mir. Andre sind da anders, ich tu lieber, mache, arbeite.

Bin jetzt seit drei Jahren selbständig mit Currywurst. Und Getränkeverkauf. Pommes.

Ich komm ja aus der Küchen- und Kantinenbranche, ich war über zwanzig Jahre Beiköchin, Kantine Druckerei Fortschritt. Die hat zugemacht und ich war ohne Arbeit. Und da hab ich gedacht: Machste was eigenes. Einfach mal probiern, so isses ja: entweder es klappt oder es klappt nicht.

Das kann ich ja nicht: rumsitzen nur. Ein Jahr arbeitslos, nee, da haben wir ne Genehmigung geholt, dass wir hiern kleines Hüttschen aufn Hof machen könn. Gesundheitspass kein Problem, alles da, Tests und Wasser und das Übliche. Und dann gings los.


Wir machen keine Werbung, nur Mundpropaganda wie man so sagt. Da war das erste Jahr natürlich schwierig, aber jetzt geht's schon. Also leben so richtig kann man nicht, aber man wurschtelt sich so hin.

So lange, wie ichs halten kann, mach ich die Preise nicht höher. Wird grad wieder alles teurer, aber so lange, wie es geht, versuchen wirs. Hier isses eben so: Hier zahlt man nicht zwei Euro für die Flasch Bier, hier is noch reichlich für das Geld, essen jetzt. Woanders: kleine Pommes und du bist noch hungrig hinterher, hier nicht! Ich finde: Man muss auch für das Geld was kriegen! Die Leute, die hier essen, haben ihr Geld schwer verdient und die sollen auch was dafür haben. Kann nicht sein, dass ich hier was esse und dann geh ich bis vor zur Ecke und weiß gar nicht mehr: hab ich was gegessen oder nicht? Es sollte schon ein bisschen anhalten. Es soll keiner sagen, ich nehme überschwängliche Preise, nee, die Leute sollen satt und zufrieden sein und gerne wiederkommen.

 

Wir machen immer alles frisch. Dauert etwas länger, aber wers eilig hat, der muss dann eben woanders hin. Hier wird nicht auf Vorrat gekocht, alles immer frisch. Bei Pommes kommt es schon drauf an, welche Pommes du nimmst, nicht jede Pommes ist Pommes. Wir haben lange getestet, jetzt haben wir Wellenschnitt, der macht ne gute Kruste, schöne Form, innen weich, manche kratzen ihr Kleingeld zusammen, um noch ein bisschen Pommes zu bekommen. Das Geheimnis ist aber die Würzmischung, die machen wir selber, da muss man nur mal ein bisschen nachdenken, was man wohl so braucht. Ich kanns ja nicht verraten jetzt, aber was ist gut zu Kartoffel? Kümmel, Zwiebel, Muskat. Mehr kann ich nicht sagen. Es schmeckt eben gut hier, das höre ich oft.


Gut: Im Winter ist es schwer, da kommen wenige. Da sitzt man manchmal sechs, sieben Stunden und verkauft drei Bier, das tut schon weh, das frustriert natürlich, da ist man dann schon froh, wenn man den Laden abends dicht machen kann. Aber jetzt kommt der Sommer und da geht es immer, na klar, das ist die gute Zeit. Da muss man natürlich schon ein bisschen vorarbeiten, um über das Jahr zu kommen. Aber es ist immer so: egal welches Geschäft du machst, du brauchst ne gewisse Anlaufzeit. Wir haben das Ziel, dass wir die letzten Jahre, bevor wir in die Rente gehen, davon leben können. Ohne aufs Amt angewiesen zu sein! Das ist eigentlich das Wichtigste.


Saftladen heißts, das war ein Scherz eigentlich, das hat der Lehrer aufm Existenzgründerseminar gesagt: was isn das fürn Saftladen. Na, so heißen wir jetzt halt. Die Stammkunden sagen: wir gehen zum Vogelmann, wegen unsere Vögel hier gleich nebenan. Für andere wieder sind wir der Notdienst, Getränkenotdienst. Na, wichtig is, dass sie wissen, wo sie hinwollen!

 

Wenn ich mir was wünschen dürfte, wär das Arbeit für meine Kinder. Ich hab drei erwachsene Kinder, alle sind arbeitslos. Kriegen einfach nichts. Die wollen ja, deshalb wünsch ich denen das. Wär gut für sie, ne schöne Arbeit. Und danach, also ganz dahinter, weil das ist das Wichtigste, wünsch ich mir, also hab ich diesen Traum: mal nach Amerika, mit dem Motorrad. Aber das wird auch ein Traum bleiben. Da hätten wir sonst zehn, fünfzehn Jahre früher anfangen müssen mit dem Saftladen. Naja, immer aufm Teppich bleiben!

 

 

 

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